Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 9.1912

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DER KUNSTMARKT

LITERATUR UND KATALOGE

Albrecht Dürers sämtliche Kupferstiche. In Größe
der Originale in Lichtdruck wiedergegeben. Nebst einem
erläuternden Vorwort von Dr. Franz Friedrich Leitschuh,
Professor der Kunstgeschichte an der Universität Freiburg
(Schweiz). Zweite Auflage. Baumgärtners Buchhandlung,
Leipzig. Groß-Folio. Gebunden 60 Mark.
Es gibt wenige Künstler von der Vielseitigkeit Dürers:
man kann ihm in der Gegenwart vielleicht Max Klinger
an die Seite stellen. Auch Dürer war Maler, Kupferstecher,
Bildhauer, Architekt und Kunstschriftsteller. Je mehr wir
uns in sein Oeuvre vertiefen, je mehr bildet er für uns
eine reine Quelle für echte und wahre Kunst. Der enorme
Fleiß, die unerschöpfliche Erfindungsgabe (denn kein anderer
Künstler seiner Zeit birgt eine solche köstliche Fülle selb-
ständiger Gedanken) und nicht zum wenigsten die tech-
nische Geschicklichkeit zeigen ihn als einen im besten Sinne
des Wortes wahrhaft deutschen Künstler. Schon die Zeit-
genossen, wohl ohne Ausnahme, haben ihn als Zeichner
und Kupferstecher geschätzt, während er auf dem Gebiete
der Malerei die allgemeine Anerkennung weit langsamer
fand. Erasmus von Rotterdam und Walter Rivius, die vor
allem Dürer den Kupferstecher begeistert priesen, ihn aber
erst an zweiter Stelle als Maler lobten, sprachen damit
nur die Ansicht ihrer Zeitgenossen aus. Dürer selbst
schreibt in einem Briefe an den Frankfurter Tuchhändler
Jakob Heller, für den er 150g einen großen Altar aus-
führte, er wolle künftighin mehr des Stechens als des
weniger dankbaren Malens warten »als des fleißigen Kläu-
belns, hätte ich es bisher gethan, so würde ich auf den
heutigen Tag um 1000 Gulden reicher sein«. Wer Dürers
künstlerisches Wesen ganz begreifen will, muß seine
Kupferstiche kennen. Bei der zum Teil enormen Selten-
heit guter Abdrucke der Hauptblätter und infolge des
Umstandes, daß nur wenige Liebhaber Dürerscher Stiche
in der Lage sind, Originale zu erwerben (die Preise, die
Dürer-Blätter gerade wieder in diesen Tagen in Stutt-
gart und Leipzig brachten und die in der vorliegenden
Nummer veröffentlicht werden, sind der beste Beweis dafür),
muß für alle Freunde seiner Kunst, dienicht nur derSeltenheit
willen, sondern aus künstlerischem Interesse sich mit ihr
beschäftigen, eine Ausgabe mit wirklich tadellosen Re-
produktionen hochwillkommen sein. Es gibt schon zu
billigen Preisen Auswahlausgaben von Dürers graphischen
Werken, die aber als Rasterätzungen unmöglich alle Fein-
heiten seiner Blätter wiedergeben können. Das in Baum-
gärtners Buchhandlung jetzt in zweiter Auflage erschienene
Werk, zu dem Professor Leitschuh die Vorrede geschrieben
hat, hilft diesem Mangel völlig ab. Auf 105 Lichtdrucktafeln
sind Dürers Meisterwerke originalgetreu wiedergegeben, so
daß der Käufer völlig auf seine Kosten kommt, und, so-
weit das überhaupt möglich ist, Ersatz für die Originale
findet. Der dem Charakter des Werkes entsprechende, ernst
vornehme Einband umschließt die, sämtlich auf der Hand-
presse hergestellten Tafeln, die ebenso wie der Textteil
auf Bütten gedruckt sind. Wir lernen aus der zeitlichen
Folge der Stiche Dürers künstlerische Entwicklung kennen.
Der vornehme Foiioband führt uns in den 105 Lichtdrucken
sowohl Blätter aus der früheren Zeit vor, die noch dem
Geschmack des großen Publikums Rechnung tragen, wie
auch die reifsten und schönsten Blätter, in denen die Technik
des Stechens die höchste Höhe erreicht. Wer also beispiels-
weise die berühmte »Melancholie«, die Folge der »Passion»,
»Ritter, Tod und Teufel« und alle die andern Hauptblätter in
ausgezeichneten Darbietungen besitzen will, der greife zu
dieser wundervollen Faksimile-Ausgabe. s.-B.

Josef Führich von Moritz Dreger. Herausgegeben vom
K. K. Ministerium für Kultus und Unterricht. Wien 1912,
Verlag von Artaria & Co. Subskriptionspreis: 2 Bände
geb. Kr. gö.— (M. 82.—).
Als dritte Veröffentlichung der vom K. K. Ministerium
für Kultus und Unterricht herausgegebenen prachtvoll aus-
gestatteten Monographien über große österreichische Künst-
ler ist in zwei Bänden das große Führich-Werk erschienen.
Damit setzt der österreichische Staat auch diesem Meister
ein Denkmal aere perennius. Wir verfolgen die Entwicklung
des Führichschen Genius durch die Generationen seiner
Familie, besonders die Einwirkung des Vaters auf den so
viel größeren Sohn. Es konnten bei dem Text bisher ganz
unbekannte Quellen benutzt werden, um das Schaffen dieses
Meisters der »Verinnerlichung« plastisch vor unseren Augen
zu entwickeln. In den Abbildungen, die zum Teil zu einem
besonderen Tafelbande vereinigt worden sind, können wir
den ganzen Entwicklungsgang Führichs verfolgen von den
barocken Arbeiten seiner Jugend bis zu seinen letzten Wer-
ken, wobei die Glanzzeit selbstverständlich besonders be-
handelt worden ist. Auch hierfür konnten fast durchweg
Werke, die bisher fast niemals oder wenigstens nicht un-
mittelbar nach den Originalen wiedergegeben worden sind,
benutzt werden, und es ist besonders interessant, die zahl-
reichen Arbeiten der romantischen Periode zu betrachten,
die Führich als einender bedeutendsten Vertreter auch dieser
Richtung erscheinen lassen.
Gleichzeitig kündigt der Verlag Artaria & Co. ein Ver-
zeichnis der Werke Josef Führichs nebst urkundlichen Bei-
trägen und einer Bibliographie von Heinrich von Woerndle
an, die im Herbst dieses Jahres erscheinen wird.
Katalog der auf der Pan-Presse gedruckten Bücher
und Mappen-Werke. Verlag von Paul Cassirer,
Berlin W. 1912.
Die Pan-Presse hat sich zur Aufgabe gestellt, Druck
und Ausstattung graphischer Blätter so vollendet wie
möglich herzustellen. Der gewaltige Aufschwung, den die
graphischen Künste in letzter Zeit genommen haben, hat
eine reiche Produktion unter den Künstlern ersten Ranges
erzeugt. Unter dem Titel »Publikationen der Pan-Presse«
gibt der Verlag Paul CassirerOriginal-Graphiken bedeutender
Meister heraus, unter anderm von Liebermann, Corinth und
Slevogt, die in der nur von Künstlern geleiteten Druckerei
hergestellt und ausschließlich mit der Hand gedruckt werden.
Das vorliegende Verzeichnis enthält eine ausführliche An-
kündigung unter Beigabe einiger Illustrationsproben als
Klischees. Der Katalog enthält nur die Anzeige der auf
der Pan-Presse gedruckten Bücher und Mappenwerke; ein
ausführliches, reich illustriertes Verzeichnis wird Ende dieses
Jahres erscheinen. Zurzeit bereitet die Pan-Presse wichtige
Neuerscheinungen vor, die im Herbst 1913 zur Ausgabe
gelangen sollen. Es sind das die Radierungs-Zyklen Zadeg
von Marcus Behmer und die Zauberflöte von Max Slevogt.
Incunabula Typographica verzeichnet der Katalog 83
von Leo S. Olschkt in Horenz, der eine ganze Reihe inter-
essanter alter Holzschnitte in Reproduktionen wiedergibt.
Eine wesentliche Erleichterung bildet die angefügte Tabelle
der Druckorte, der Drucker und der verschiedenen Ausgaben.
Ars Technica nennt sich das Verzeichnis 23 der Firma
Rappaport in Rom, 13 Via Bocca di Leone. In diesem
Katalog seltener Bücher ist eine große Anzahl sehr inter-
essanter Veröffentlichungen enthalten, unter anderm auch
über Luftschiffahrt und Flugwesen, die gerade jetzt be-
sonderes Interesse hervorrufen dürften.
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