Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 13.1916

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DER KUNSTMARKT
XIII. Jahrgang 1915/1916 Nr. 42. 1. September 1916

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BEVORSTEHENDE AUKTIONEN

Septemb.
Berlin. Rud. Lepke. Modernes Mobiliar.
Oktober
Berlin. Rud. Lepke. Modernes Mobiliar und
Kunstgewerbe.
12.—14.
17.
16.
Berlin. * Paul Q raupe. Bibi. Zoozmann, Teil II.
Oktober
München. Galerie Helbing. Nachl. Dir. Karl
Nestel f, Zinnarbeiten, Holzskulpturen usw.
18.-19.
Aachen. *Ant. Creutzer vorm. M. Lempertz.
Nachlaß eines rheinischen Gutsbesitzers.
19.-20.
Berlin. * Max Perl. Samml. von interessanten
und wertvollen Büchern.
Oktober
München. Galerie Helbing. Sammlung Dr.
Georg Hirthf, München. Antiquitäten, alte
u. mod. Gemälde, Textilien, Teppiche usw.
19.—20.
Berlin. Rud. Lepke. Gemälde des 16.—18.
Jahrhunderts, Graphik.
Oktober
München. Galerie Helbing. Samml. Arch.
Philipp Schwarz, Stuttgart. Gläser.
26.
Berlin. Rud. Lepke. Moderne Gemälde.
Oktober
Frankfurt a. M. F. A. C. Prestel. Bedeutende
Francofurtensiensammlung aus dem Nach-
lasse C. F. Mylius.
Oktober
Wien. C.J. Wawra. Sammlung Generaldirek-
tor Zuckerkandl. Moderne Gemälde usw.
Anfang
3.
München. *Qalerie Helbing. Nachlaß Prof.
Julius Adamf, München, sowie Gemälde her-
ragender mod. Meister aus anderem Besitz.
Oktober
Frankfurt a. M. *F. A. C. Prestel. Handzeich-
nungen deutscher Meister.
Oktober
Frankfurt a. M. F. A. C. Prestel. Graphische
Werke moderner Meister.
3.-6.
Berlin. Rud. Lepke. Nachlaß Freiherr Hugo
von Mecklenburg auf Pantlitz.
Ende
Wien. C.J. Wawra. Moderne und alte Ge-
mälde aus Wiener Nachlassen.
10.
Berlin. Rud. Lepke. Erste Meister unserer
Zeit: Nachlaß Jerome Friedmann-Hamburg
und Nachlaß Prof. Herrn. Behmer-Weimar.
Novemb.
München. Galerie Helbing. Nachlaß Maler
Hugo Kauffmann f, München u. a.
17.
Berlin. P. Cassirer {unter Leitung von Hugo
Helbing, München). Gemäldesammlung H.
Schmeil, Dresden. Moderne Gemälde.
Novemb.
bis Dez.
München. Galerie Helbing. Nachlässe Prof.
Frank Kirchbach und Louis Braun.

lieber die mit Sternchen versehenen Versteigerungen ist im Anzeigenteil dieser Nummer Näheres zu finden.

Die Sammlung Schmeil, die am 17. Oktober bei
Paul Cassirer in Berlin unter Leitung von Hugo Helbing
zur Versteigerung kommen soll, ist jetzt geschmackvoll
und angenehm sichtbar in der Galerie Ernst Arnold in
Dresden ausgestellt. Es sind an 150 Bilder, fast alles
teuere gewichtige Stücke, aber ungleich in der Qualität.
Die Sammlung ist nicht mit sicherem Geschmack zusammen-
gebracht, sondern der Besitzer scheint sich von der Mode,
haben tragen lassen. Insofern fehlt der großen Galerie
das eigentliche Prickelnde, Einprägsame, wie es z. B. die
Dresdener Sammlungen Rothermund und Schmitz in so
außerordentlichem Maße haben. Aber doch ließe sich aus
diesem Komplex eine glänzende kleine Sammlung ersten
Ranges herausschälen, und so wird sich wohl bei der Ver-
steigerung um die sehr guten Stücke mit Recht ein starker
Kampf entwickeln. Die besten Bilder sind in der Galerie
Arnold zu einem Kabinett der »klassisch gewordenen deut-
schen Malerei«, wie jetzt das beliebte Wort lautet, zu-
sammengefaßt. Unter den fünf Leibis wundervoll besonders
das Bildnis des Tierarztes Reindl (wobei man an die be-
zaubernde Studie »Der Zeitungsleser« in der Galerie Knorr
erinnert wird, die ebenfalls Reindl darstellt). Prachtvoll
auch das kleine Bildchen des jungen Reindl. Das sind
zwei Leiblsche Juwelen, wie sie jetzt nicht mehr oft auf
den Markt kommen. Weniger erfreulich sind die Leibl-

schen Zeichnungen der Sammlung; sie enttäuschen durch
ihre Trockenheit. Neben den Leibis hängt aber ein ganz
frappierend schönes Stück: eine Heuernte von Munkacsy,
so schön, wie man kaum wieder etwas von dem Meister
bei uns sehen kann. Herrlich auch ein Waldinneres von
Hagemeister. Unter den drei Liebermanns ist die ganz
bildmäßig fertige Studie zu den Konservenmacherinnen ein
Hauptstück und wird wahrscheinlich auch eines der teuersten
Stücke werden. Von den sechs Schuchs hat uns am besten
ein Stilleben mit einem Spargelbündel von ungewöhnlicher
Delikatesse gefallen. Eine heute schon fast wieder unge-
wohnte Wirkung macht ein trefflicher Segantini »Ruhe
im Schatten«. Unter den beiden Thomas ist der ältere,
»Kinder am Türeingang«, der erheblich bessere. Ein paar
sehr feine Stücke von Kühl; Spitwegs guter Qualität, dar-
unter das bekannte, wegen des Zusammenhangs mit Isabey
kunsthistorisch berühmte »Frauenbad in Dieppe«; ein deli-
kater Jettei; ganz ausgezeichnete Stücke von W. v. Diez
(besonders der düstere »Hinterhalt«); von Franzosen einige
Courbets und ein recht guter Dupre — und so weiter Bilder
einer ganzen Anzahl der anerkannten Meister, über die im
einzelnen zu sprechen hier zu weit führen würde. Nur
Böcklins ulkige »Susanna im Bade« sei noch genannt.
Jedenfalls verspricht die Auktion den Winter bedeutend
zu eröffnen.
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