Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus <Berlin> [Editor]
Kunstwerke aus den Beständen Leningrader Museen und Schlösser (Band 1): Eremitage, Palais Michailoff, Gatschina u.a. ; [Versteigerung: 6. Nov. u. 7. Nov. 1928] (Katalog Nr. 2000) — 1928

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des eingelegten Rautennetzes kleine vergoldete Bronzerosetten eingefügt.
Bald nach der Jahrhundertmitte ist eine Folge von zusammengehörigen
Louis XV-Stühlen entstanden, von denen die zwei Bergeren den Stempel
J.F.M.Langon( vgl.Salverte, Les Ebenist s du XVIII siecle, S.19A) tragen,
die übrigen Lehnstühle den Namen Bauve (Meister seit 1754, Salverte,
S. 12). In den Anfang des 18. Jahrhunderts reichen zwei vielleicht eng-
lische Louis XlV-Stühle zurück, deren prachtvoll geschnitzte Lehnen im
Spätbarockstil ein durchbrochenes Spiegelmonogramm CD einschließen
(Tafel 39). Die Sitze sind mit Bezug und Kappen aus jenen kostbaren
Seidengeweben versehen, die Katharina II. von Philippe de Lasalle in Lyon
ausführen ließ, und die dann auch zum Ersatz verbrauchter Bezüge älterer
Möbel verwandt wurden. Durch tadellose Erhaltung ausgezeichnet ist das
große büfettartige Möbel (Tafel A) des aus Deutschland stammenden
Ebeniste du Roi Joseph Baumhauer, der nur mit seinem Vor-
namen Josephe signiert hat, weil sein Familienname der französischen
Aussprache zuviel Schwierigkeiten bereitete. Das dreitürige Möbel verrät
sowohl in der Blumenmarketerie wie in den Bronzebeschlägen unter der
Marmorplatte deutlich den Einfluß des damals unter den Pariser Ebenistcn
an erster Stelle stehenden Riesener. Auf den Klassizismus weist bereits die
von Charles Topino, Meister seit 1773, bezeichnete Mahagoni-Etagere
oder Konsole (Tafel 31) mit guten Bronzebeschlägen. Obwohl unbe-
zeichnet, mag noch ein niedriger Kaminstuhl erwähnt werden, dessen ge-
schnitztes Gestell im Stil Louis XVI durch die starke Unterschneidimg des
Reliefs auf den wegen seiner eleganten Sitzmöbel berühmten L o ui s D e -
lanois hinweist. Zeitlich bildet den Abschluß der Pariser Möbel ein
historisches Mobiliar aus einem Sofa, einem Kaminschirm mit
dem von Pernon in Lyon gewebten Bildnis Napoleons L, und aus zehn Lehn-
stühlen bestehend, aus Mahagoni mit Bronzeappliquen und mit wohlerhalte-
nen Beauvaisbezügen im reinsten Empirestil, das in Paris für Eugen
Beauharnais hergestellt worden ist (Tafel 6 und 30).

Eine Reihe von Empiretischen aus Bronzegestellen mit runden Stein-
platten führt zu den Geräten aus vergoldeter Bronze hinüber. Es sind in
der Mehrzahl Wandleuchter und Kandelaber, darunter manche Stücke des
späten Louis XVI-Stils in der meisterhaften Ziselierung, die den französi-
schen Möbelbeschlägen gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts noch eigen-

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