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Meder, Joseph
Die Handzeichnung: ihre Technik und Entwicklung — Wien, 1923

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https://doi.org/10.11588/diglit.9755#0592
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546

Werkstattbehelfe.

Beim Land»
j* schaftern.

Nach
Leonardo.

17. Jahrhundert (Abb. 207), von Ch. Ant. Jom b ert und Reinhold noch im
folgenden empfohlen1. Je nach dem Verhältnisse der beiden Netze konnte man
auch vergrößern oder verkleinern.

Eine noch häufigere Verwendung, zumal im Norden, fand der Netzrahmen
beim Landschaftszeichnen2. Nach Rodlers Holzschnitt wurde sogar das
Stubenfenster mit einem Fadennetz versehen und zu einer nicht gerade bequemen
Einrichtung umgestaltet (Abb. 212). Im 18. Jahrhundert hielten die Farbenhändler
Netzrahmen, Carreaux, auf Lager, die zum Landschaftszeichnen als besonders
geeignet angepriesen wurden3. Über eine eigene Art der Ausnützung berichtet die

Encyclopedie methodique, nach welcher

t

man diese Rahmen, hier Chassis de
reduction genannt, beim Kopieren von
Zeichnungen und Stichen durch direktes
Auflegenverwendet( Abb.252)4. Schließ*
lieh sei noch dertechnischenVerbesserung
durch Jos. Au ra c her Erwähnung getan5.

Das Rahmenzeichnen war noch im
vergangenen Jahrhundert allgemeine
Übung. In meiner Jugendzeit wurde
noch in der Mittelschule auf diese
Weise vom Fenster aus gelandschaftert
und für Stilleben findet es heute noch
in manchen Ateliers seinen Anwert.

Glastafel, Glasscheibe, die

Transparente, Vetri piani. — Eine
bequemere Vorrichtung für die Porträt*
kunst, indes nur von relativem Nutzen,
war die Glasscheibe. Merkwürdiger*
weise empfiehlt sie Leonardo, der sie
für Figuren gemieden haben will (§ 39),
zum Zeichnen einer Örtlichkeit oder
Landschaft. Er rät zu einer Scheibe von der Größe eines halben Bogen Realpapieres,
die der Zeichner etwa 2/3 Ellen vor sich aufzustellen habe; gleichzeitig sei sein Kopf
durch eine Vorrichtung derart in eine feste Stellung zu bringen, daß das Auge
immer ein* und denselben Standpunkt einnehme. Die Umrisse sollen auf der
Glasfläche mit Rötel* oder irgendeiner Pinselfarbe ausgeführt werden, die sich

Abb. 253. Dürer. Glastafelapparat.

'Jombert, op. cit. Taf. 71. - Reinhold, Zeichenschule, 1786, S. 87.

2 «Dan bediene dich des Netzes mittelst guten reynen gezwirnten Fädemen» (Rod-
ler, Underweisung, H 2).

' (konstant *Viguier, op. cit. p. 33.

4 Encycl. meth., Beaux*A., T. II, p. 450 u. 466 und Taf. 2, Fig. 16, 17 im Recueil de
Flanches. — Eine merkwürdige vergrößernde Übertragung einer Zeichnung mit Hilfe
des Fadennetzes und Fackelbeleuchtung auf eine halbrunde Nische beschreibt E.T. A. Hoff»
mann, Bd.V, S. 127 der Reimerschen Ausgabe. Nach freundlicher Mitteilung des Dr. A. Reichel.

5 Quarreograph. Erfunden u. hsg. v. Jos. Auracher von Aurach. Wien 1819.
 
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