Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst — 1901

Page: 1
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/mgvk1901/0006
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

JAKOB CHRISTOFFEL LE BLON.
Als eigentliches Druckverfahren darf man wohl nur ein solches ansehen, das lauter völlig gleiche Exemplare
erzeugt. Wenden wir diese Anschauung auf den Farbenkupferdruck an, so müssen wir der Ausfassung beipflichten, die
alle eingemalten, mit einmaligem Druck hergestellten Platten nicht als wirkliche Farbendrucke gelten lässt. Nicht der
geschickteste Drucker kann zwei völlig gleiche Exemplare aus der Presse fördern. Diese Möglichkeit wird nur geboten,
wenn zu dem Bilde mehrere Platten benutzt werden, jede annäherndmechanisch mit nur einerFarbe eingerieben, die ganze
Folge nacheinander auf das Papier abgedruckt wird. Dies ist das eigentliche Farbendruckverfahren, mittels dessen,
wenigstens der Theorie nach, eine grosse Anzahl völlig gleicher Drucke hergestellt werden kann.
Derjenige Künstler, der das Princip des Mehrplattendruckes zuerst angewendet hat — wenigstens ist ein Vor-
gänger auf dem Gebiete des Tiefdruckes soweit noch nicht bestimmt nachgewiesen worden — hat zugleich ein
anderes für den Farbendruck noch viel wichtigeres Princip zum erstenmal angewendet, nämlich dasjenige, das, sich
auf Newtons jetzt abgethane Farbenlehre stützend, die Gesammtheit der Farbenabstufungen, die unser Auge empfinden
kann, als Mischungen dreier Cardinalfarben blau, gelb und roth erklärt. Le Blon heisst der Künstler, und
seine Theorie war ihm so lieb, dass er zäh trotz vieler Niederlagen an ihr fest hing, bis er zuletzt eigentlich an ihr
zugrunde ging.
Jakob Christosfel Le Blon wurde zu Frankfurt a. M. geboren und ist dort am 23. Mai 1667 getauft worden.1 Man
nimmt an, dass er zu derselben Familie wie Michel Le Blon gehört und mit den Merian verwandt war. C. Meyer von
Zürich wird gewöhnlich als sein Lehrer angeführt: 1696/97 bildete er sich an Maratti in Rom weiter und malte dort in
Öl für den Grafen Martinez.
Es scheint, dass er sich allmählich einem leichtsinnigen Lebenswandel hingab. Da nahm sich der holländische
Maler Bonaventuur van Overbeek seiner an, und überredete ihn mit nach Holland zu reisen, zahlte ihm sogar die
Kosten der Reise. In Amsterdam angelangt, malte Le Blon Bildnisse, besonders in Miniatur. Gool,3 der einige seiner
Bildnisminiaturen gesehen hat, sagt, dass sie klein wie Dosendeckel waren und so frisch und kräftig in der Farbe wie
Ölbilder. Zu dieser Arbeit bediente Le Blon sich, stets eines Verkleinerungsglases, infolgedessen wahrscheinlich
seine Sehkraft dermassen nachliess, dass er diese Arbeit aufgeben und sich dem Kabinetstück in Öl zuwenden musste.
Auch hierin hatte er gute Erfolge zu verzeichnen.
Jedoch ein unstätes Gemüth liess ihn dabei keine Beruhigung fassen und er versiel nach langen Fehlversuchen
auf den Farbenkupferdruck, der sich auf die Theorie der Zusammensetzung alles Lichtes aus den drei Cardinalfarben
1 Gwinner, Kunst und Künstler in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. 1862, Pag. 237.
2 Gool, De nieuwe Schouburg. Haag. Erste Deel 1750, Pag. 342.
loading ...