Miller, Matthias; Zimmermann, Karin; Kalning, Pamela; Universitätsbibliothek Heidelberg
Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 671-848) — Wiesbaden, 2016

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Einleitung

Medizin — Der vorliegende Band mit den Beschreibungen zu den Palatini germanici 671-
848 enthält erneut eine Vielzahl medizinischer Texte, unter denen sich als besondere Her-
ausforderung für die Bearbeiter einige medizinische Sammelhandschriften des 16. Jahr-
hunderts erwiesen. Diese Bände13 14 bestehen zum Teil aus mehr als zehn Faszikeln, die
wiederum aus diversen Einzelteilen zusammengestellt sind. Besonders aufwändig war in
diesem Zusammenhang die Katalogisierung von Cod. Pal. germ. 843 mit 27 Faszikeln, die
aus insgesamt 216, mitunter nur fragmentarisch erhaltenen Einzelteilen (bis hin zu Ein-
zelblättern), bestehen und Cod. Pal. germ. 845 mit 103 Faszikeln. Diese Sammelhand-
schriften wurden entweder in Rom oder auch erst nach ihrer Rückkehr nach Heidelberg
zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu physischen Bänden zusammengefügt. Die Zusammen-
stellung erfolgte überwiegend ohne auf inhaltliche Zusammenhänge zu achten, zumal die
Texte medizinischen Inhalts zur damaligen Zeit wenig interessierten. So schrieb noch
Friedrich Wilken 1817 in seiner „Geschichte der Bildung, Beraubung und Vernichtung
der alten Heideibergischen Büchersammlungen“: Die in dem Verzeichnisse der deutschen
Handschriften ausgelassenen Nummern sind sämmtlich unerhebliche medicinische Recep-
tenbücherM Im Zuge der nun abgeschlossenen Katalogisierungsarbeiten konnten einige
dieser sekundär auseinandergerissenen medizinischen Texte zumindest virtuell wieder
einander zugeordnet werden. Häufig müssen aufgrund fehlender Hinweise und zerstörter
Zusammenhänge jedoch die Fragen nach der Provenienz der Einzelteile vorerst unbeant-
wortet bleiben. Um zukünftigen Forschungsarbeiten auch hier eine möglichst breite und
einheitliche Datenbasis zu bieten, wurden die einschlägigen kodikologischen Informatio-
nen15 auch zu diesen Kleinsteinheiten erhoben.
Anknüpfend an die Vorarbeiten der vergangenen Katalogisierung wurde auch für die
Signaturengruppe Cod. Pal. germ. 671-848 bei den medizinischen Rezeptsammlungen ein
Schwerpunkt auf die Zusammenstellung der Rezeptzuträger und Gewährspersonen ge-
legt. Wo dies möglich war, wurden die zum Teil nur in Relation zu dem meist nicht ge-
nannten Verfasser der jeweiligen Rezeptsammlung bezeichneten Personen identifiziert.16
In Fällen, in denen die Identifizierung unsicher blieb, wird immer auch in Klammern und
kursiv gesetzt die konkrete Bezeichnung aus der jeweiligen Rezeptsammlung mit aufge-
führt, sodass sich der Leser eine eigene Meinung zu dem Vorschlag des Bearbeiters bilden
kann.17 Häufig müssen weitere Indizien bei der Klärung herangezogen werden: So ist
bspw. Kaiser Maximilian, der in dem mehrbändigen „Buch der Medizin“ Kurfürst
Ludwigs V. als Proband genannt wird, mit Sicherheit Kaiser Maximilian I. (1459-1519),

13 Cod. Pal. germ. 761, 843, 845 und 846.
14 Wilken, S. 274, Bemerkung 1.
15 Hierunter fallen bspw. die Erhebung der Papier- und Schriftraummaße, die Bestimmung der
Wasserzeichen, der Schrift und der Schreibsprache. Eine detaillierte Scheidung der Schreiberhände
konnte aufgrund der großen Zahl der Einzelbelege und der teilweise sehr großen Ähnlichkeit der
Hände jedoch nicht an allen Stellen geleistet werden.
16 Vgl. u.a. das Register der Rezeptzuträger, Probanden und Gewährsleute.
17 Bspw. wird die Kurfürstin von Lohrbach mit Kurfürstin Amalia von der Pfalz, geb. Gräfin von
Neuenahr-Alpen (1539-1602) identifiziert, die nach dem Tod ihres Mannes, Kurfürst Friedrichs III.,
im Jahr 1576 bis 1599 ihren Witwensitz in Lohrbach, einem heutigen Stadtteil Mosbachs im Neckar-
Odenwald-Kreis, hatte.
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