Minst, Karl Josef [Übers.]
Lorscher Codex: deutsch ; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1 - 166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764 - 1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten — Lorsch, 1966

Seite: 49
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VERMERK 1

(Inhaltsangabe)

Abschrift der königlichen und apostolischen Privilegien oder Schenkungen an das Lor-
scher Kloster. Ferner Vermerke über die Könige und Kaiser oder Äbte, vom Anfang des
Klosters bis auf unsere Tage (um 1175), der Reihe nach aufgezählt.

VERMERK la
(Programm)

Mit dem Beistand der göttlichen Gnade sind wir willens, die Privilegien des Lorscher
Klosters, sowohl die apostolischen als auch die kaiserlichen, ferner die wohltätigen Stif-
tungen der Päpste und Kaiser oder die übrigen Schenkungen der Gottgläubigen, denen
sowohl durch ihren Adel als auch durch die Fülle ihrer Mittel diese Ehrung zukommt, aus
verschiedenen zerstreuten Einzelschriften in den Band eines einzigen Buches zu sammeln.
Wir halten es für richtig, zunächst genau anzugeben, von welchen Stiftern das Lorscher
Kloster gegründet und gefördert worden ist, und dann der Reihe nach zu berichten, durch
welches Wachstum dasselbe zur Höhe einer solchen Bedeutung aufgestiegen ist.

VERMERK lb

Über die Gründung des Lorscher Klosters

Im Jahre 764 nach des Herrn Fleischwerdung regierte Pippin, der König der Franken
(751—768), im zwölften Jahre. Dieser, erst Hausmeier, war nach dem Spruche des Papstes
Zacharias (92. Papst, 741—752) nach Absetzung des Hilderich (III., 743—751), durch die
Salbung des Hl.Bonifacius, des Erzbischofs des Mainzer Stuhles (747—754) und Märtyrers
(gest. 5. Juni 755), zur königlichen Würde erhoben worden. Später wurde Pippin (III., der
Jüngere, der Kleine oder Kurze) durch Papst Stephan (III., 94. Papst, 752—757) auch
durch die apostolische Salbung als König bestätigt (am 28. Juli 754 zu St. Denis). Im
zwölften Jahre also der Regierung Pippins (der Chronist zählt die Königsjahre Pippins
offenbar seit der Salbung durch Bonifaz) — stifteten Cancor, der berühmte Graf des Ober-
rheingaues, und seine fromme und gottwohlgefällige Mutter Williswinda, die Witwe des
Grafen Rupert, das Kloster Lorsch auf der Insel, welche jetzt Altenmünster genannt wird.
Sie übergaben es dem verehrungswürdigen Metzer Erzbischof Rutgang (742—766), damit
er dort eine Schar Mönche ansiedle. Die Stifter unterstellten die Neugründung keinerlei
Recht oder Herrschaft, weder einem Bistum noch einem anderen Kloster. Lediglich des-
wegen, weil sie in solchen Belangen wenig bewandert waren, übergaben sie die Stiftung
zur Vollendung und Leitung ihrem Blutsverwandten als einem in religiösen Dingen sehr
erfahrenen Mann unter dem Titel der Schenkung. Um ihn ihrem Wunsche noch mehr
geneigt zu machen, sorgten sie für die Annehmlichkeit der Diener Gottes, welche dort
vereinigt werden sollten. Sie übergaben in das Besitztum jenes Klosters die (Germanus-)
Kirche in Scarra (am Scharhof nördl. Mannheim) mit Zubehör, ihr Gut in Magontia
(Mainz), auch das Dorf Hagenheim (Hahnheim a. d.Selz, westl. Oppenheim, Rheinhessen)
und baten, daß der genannte hohe Priester die dortige Kirche zu Ehren des hl. Apostels
Petrus weihe. Der Wortlaut ihrer Schenkung von Hagenheim ist so:
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