Minst, Karl Josef [Übers.]
Lorscher Codex: deutsch ; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1 - 166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764 - 1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten — Lorsch, 1966

Seite: 59
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zwischen Erzherg und Erzbach) und von da nach dem Welinehouc (Walenhof,
Walenhöhe, Walenhag, Walenhügel oder Welschenhügel, der heutige Kahlberg bei
Weschnitz, auf dem die Walpurgiskapelle steht, daher auch Kapellenhügel genannt), dann
auf die Anhöhe über dem Hildegeresbrunno (Hildgersbrunnen — Quelle des
Hiltersklinger Baches, wahrscheinlich der heutige Streitbach unweit Wegscheide und Lärm-
feuer), von da zum Burgunthart (Burgunder Wald?, Waldparzelle auf der links-
seitigen Höhe des Hilter sklinger Baches; alte Beziehung zur Burgunderstadt Worms ver-
mutbar), vom Burgunthart zum Eicheshart (Eichenwald am linken Ufer des Hilter s-
klinger Baches), wo der Königsbote Rado an der Grenze der Waldmark Michelstadt einen
Steinhaufen aufwerfen ließ. Von jenem Grenzhügel geht es weiter zum Vlisbrunnen
(oder Ulisbrunnen, der Quelle eines südlich Untermossau in den Mossaubach sich ergießen-
den Rinnsals) und dann zum Mosehart („Mooswald", sumpfiger Wald, am Mosbach
im Mossauer Wald und auf der Mossauer Höhe), wo ein weiterer Grenzhügel errichtet
ist, dann zum Lintbrunnen (Lindelbrunnen im Siegfriedsbruch zwischen Hilters-
klingen und Hüttental), wo der dritte Grenzhügel ist. Von dort zur Alb w in es
sneida (Alwins Schneiße? Wasserscheide? vermutlich im oberen Haintal oder ein Höhen-
weg zwischen Sensbach und Schöllenbach) bis zum Moresberk (Morsberg, Maures-
berk, Mauersberg, heute Breithaupt). Von hier zieht die Grenzlinie zum Fluß Neckar an
die Stelle, wo das Bächlein J u t r a (Itterbach) in den Neckar (bei Eberbach) einmündet.
Dann bildet der Neckar (bis Hirschhorn) die Grenze bis zur Mündung des Flusses U 1 -
v e n a (Ulfenbach). Weiter verläuft die Grenze im Ulfenbach bis zur Anhöhe bei F r a n -
c o n o d a 1 (Fränkeltal, Försterei Frankel, Fränkelhöhe, Fränkelwald; unweit „schiumeh-
ten wage" = spumosum stagnum = „schäumender Tümpel" beim heutigen Dorf Unter-
Schönmattenwag, im Volksmunde „Schimetenwoog" genannt), wo das Bächlein Stein-
h a h a (Steinach) seinen Anfang nimmt. Von da zum Pendens Rocha („überhän-
gender Fels", Götzenstein?) und zur Anhöhe (Waldsknopf) über dem Gunnesbach
(Kundenbach, Kunzenbach) und dann längs durch den ganzen Wald bis auf die Mitte des
Katesberk (Goldknopf bei Oberkunzenbach). Die Grenzlinie überquert nun die
Strata publica (strata montana platea montium, Bergstraße), welche aus dem Ladengau
kommt, gelangt durch die Wisgoz (Weschnitz) nach Lorsch und führt von da zurück
zur Steinfurtau.

Grenzen wie oben:

(Niederschrift von Mitte August 795)

Dieses Dorf (Heppenheim) samt Wald trug Wegelenzo, der Vater des Warin, zu
Lehen, und nach ihm hatte es Graf Warin, sein Sohn, als Amtsbezirk im Dienste des
Königs inne. Nach ihm kam das Gebiet an Graf Bougolf, worauf es Karl dem Hl. Naza-
rius übergab. Jener Warin hielt auf Befehl des Königs Karl, im 27. Jahre (795) seiner
Regierung, um die Mitte des Monats August eine Gerichtsverhandlung im selben Walde
beim Hügel Walinehoug ab (da seit 773 die Streitigkeiten um die Neckar-Grenze
zwischen Lorsch und Worms nicht zur Ruhe kamen). Nach dem Urteil und Zeugnis an-
gesehener Männer wurde eine neue Grenze gezogen, welche die Waldmark Heppenheim
vom Maingauer Wald und den anderen anliegenden Marken durch eindeutig und klar fest-
gelegte Trennungslinien bestimmte. Die Namen dieser Grenzpunkte sind folgende:
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