Pan <Berlin> — 5.1899-1900 (Heft III und IV)

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LEOPOLD GRAF VON KALCKREUTH, DIE GEBIEREN (NACH EINEM AQUARELL)

GEDICHTE

VON KARL HENCKELL

IST DAS NOCH .. ?

Ist das noch derselbe Himmel,
Der sich über mir gespannt,
Als im flackernden Gewimmel
Wilder Feuer ich gebrannt?
Ist das noch dieselbe Erde,
Die mein rascher Fufs betrat,
Als mit glühender Geberde
Ich verschwendet Zukunftssaat?

Erd und Himmel sind die gleichen,
Und die gleichen Sonnen loh'n,
Doch die Seele rückt ihr Zeichen
In begrenzte Felder schon.
Schritt für Schritt wird nun gemessen,
Noch im Schwünge geizt die Hand,
Fiel doch manch ein Korn indessen
Auf Morganas Wüstensand . . .

UNBEKÜMMERT

Mag des Lebens stille Welle
Mich getrost ein Weilchen tragen -
Sanfter Windhauch ihr Geselle —
In das Land der Lotophagen,
Zu den Fluren der Vergesser
Alles Kampfes, aller Klagen,
Wo die plätschernden Gewässer
Träumerisch ans Ufer schlagen.

Meine Seele, ja, gestatte
Dir, der Welt dich zu verschliefsen,
Darfst nun gleich dem Rosenblatte
Deine Leichtigkeit geniefsen.
Lafs sie kämpfen, lafs sie jagen,
Wie sie dich den Kämpfer hiefsen,
Gleich den Göttern goldner Sagen
Selig so dahinzufliefsen . . .

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