Bohn, Richard
Altertümer von Pergamon (Band IV, Text): Die Theater-Terrasse — Berlin, 1896

Seite: 41
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/pergamon1896/0049
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Der ionische Tempel.

Den wirkungsvollen nördlichen Abschluss der langgestreckten Terrasse bilden die Lage.
Resle eines im Massstabe ziemlich bedeutenden Tempels, der sleh unter den uns bis
jetzt bekannt gewordenen pergamenischen Bauten am besten erhalten hat. Sein Ver-
hältnis zur Terrasse erkennt man am besten auf deren Gesamtansicht Taf. II, wenn man
damit den Lageplan Taf. I vergleicht. Der Tempel selbst mit seiner näheren Umgebung
erscheint auf Taf. XXV und in den beiden Anssehten von Südosten und von Nordwesten
her auf den Taf. XXVI und XXVII.
Der Tempel liegt auf einer Plattform, die sseh rund 4,5 m über die Terrasse erhebt
und mit ihr durch eine mächtige Freitreppe verbunden ist. Die Plattform bildet ein Recht-
eck von 18,5 Breite zu 27,0 Tiefe und ist zum grösseren Teil aus dem gewachsenen Felsen
herausgearbeitet, so dass die nördliche und örtliche Umgrenzung sehr steil ansteigt; teilweise
ist der Fels bis zu 3,0 Höhe sogar senkrecht abgeglichen. Dann folgt ein Absatz, auf dem
vermutlich, sowie auch in dem vorderen Teile, eine Verkleidung ruhte, welche den dahinter
schroff und unregelmässig ansteigenden Fels verdeckte. Auf der Nordseite und auf dem
nördlichen Ende der Ostseite hat man nicht die gleiche Sorgfalt auf Abgleichung verwendet,
weil dieser Teil durch den Tempel selbst dem unmittelbaren Anblick von unten her
entzogen war. Die Verkleidung in dem südlich anstossenden Teile besteht jetzt aus würfel-
sörmigen Steinen mit vereinzelten Marmorbrocken, in Mörtel verlegt; sie ist natürlich späten
Ursprungs. Ihre weitere Fortsetzung in südlicher Richtung geht in die Schenkelmauern
des Theaters über; nach ihrem Einsturze (s. oben S. 16) kamen die Reste der ursprüng-
lichen Abschlussmauer zum Vorschein. Wir kommen später darauf zurück.
Das aus verschieden grossen Marmorplatten bestehende Pssaster zwischen dieser
Stützmauer und den Tempelstufen hat, soweit die Mauer aussetzt, eine kleine Erhöhung,
die teilweise bereits an die Platten angearbeitet ist. Kleine Durchbrechungen am Fusse
der Mauer, durchsehnittlich 2,0 voneinander entsernt, konnten nur den Zweck haben,
das sich zwischen Fels und Mauer sammelnde Wasser abzuleiten. Dass die Bekleidung
Pergamon IV. 6
loading ...