Bohn, Richard
Altertümer von Pergamon (Band IV, Text): Die Theater-Terrasse — Berlin, 1896

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Das Theater.

Die natürliche Bildung des Abhanges musste zur Anlage eines Theaters geradezu Zustand vor der
einladen. Es bedurste nur verhältnismässig geringer Nachhilfe von Menschenhand, um Ausgrabung,
die im Grundriss etwa viertelkreisförmige Höhlung für die Sitzreihen zu schasfen. Und
dennoch hatte der Schutt so vieler Jahrhunderte die charakteristische Form des Theater-
runds vollständig verwischen können; die vorstehenden Flügelbauten waren abgebröckelt,
und die vertiefte Mitte der Rundung durch die herabgestürzten Trümmer der Hochburg
ausgefüllt, besonders auch durch den Zusammenbruch der einstigen hohen Mauern,
welche diese im Mittelalter einfassten. Die nachgeschwemmten Erdmassen und die aus
der Thalmulde heraufgewirbelten Staubwolken haben ihre gleichförmige Decke darüber
gebreitet. So stellte sich uns beim Beginn der Ausgrabungen der Abhang als eine mit
Trümmern und Gesträuch bedeckte unregelmässige Fläche dar, wie sie auf Taf. XIX
links im Mittelgrunde und auf Taf. XX in der Mitte des Hintergrundes erscheint. Nur
die weltliche Kante der oberen Terrasse prägte sich immer noch auf grössere Entfernung
scharf aus, und ebenso blieben die gewaltigen, wenn auch in den oberen Teilen ab-
gebröckelten Stützmauern mit ihren Quermauern und Verstärkungspseilern stets sichtbar.
Daher geschah bei den sonst dürstigen Mitteilungen älterer Reisender über Pergamon
dieler Mauern stets Erwähnung, und in dem Plane bei Texier, Description de TAsie
mineure, bilden sie den einzigen annähernd richtigen Punkt. Aber eine zutrefsende
Erklärung hatte niemand gegeben; auch wir hielten diese Stützmauern anfänglich nur
für eine Sperre, welche dem Abrutschen der oberen Mulde Einhalt thun sollte. Wir
nahmen deshalb auch keinen Anstand, zunächst bei den Ausgrabungen des grossen Altars
und darauf bei der Abräumung des Athenaheiligtums die bedeutenden Erd- und Schutt-
massen eben jenen Abhang hinunterzustürzen, blieb uns doch auch eine andere Wahl
hierfür kaum übrig. So sehen wir denn auf Taf. II des II. Bandes der Altertümer von
Pergamon die nach der Freilegung des Athenaheiligtums entstandene mächtige Schutt-
halde, unter welcher das Theater nun um so mehr vergraben lag.
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