Jacques Rosenthal <München> [Editor]
Handschriften und Frühdrucke in deutscher Sprache — München, 1929

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7. REGIOMONTANUS (= Johannes Müller von Königsberg in Franken). Deut-
scher xylographischer Kalender von 1475—1530. Nürnberg [Hans
Spoerer, 1474.] Als Blockbuch zweiseitig bedruckt. Mit vielen Illustrationen,
darunter einem Aderlaßmann, verschiedenen Quadranten, einer Mondtafel
mit zwei drehbaren Scheiben, 36 zum Teil kolorierten Darstellungen der
Sonnen- und Mondfinsternisse. 31 Bll., 1 und 29v weiß. 35—37 Zeilen.
Quart. (14,5 : 20 cm.) Alter Pergamentband mit Klappe.

SCHREIBER IV. 406ff. PANZER, Deutsche Annalenl. 38. WEIGEL-ZESTERMANN 288. —
Der Almanach des Regiomontan nimmt in der Geschichte des Kalenderwesens und in der
des Frühdrucks einen ganz besonderen Platz ein. Die wenigen vorausgehenden gedruckten
Kalender waren Einblattdrucke, die für ein einzelnes Jahr medizinische und astrologische
Anweisungen gaben, auch der Kalender des Johann von Gmunden, der als Holztafeldruck
um 1470 erschien, wurde in Form von zwei großen Wandtafeln veröffentlicht. Der erste
in Buchform erschienene Kalender, der für Jahrzehnte maßgebend blieb und eine
völlig neue, im wesentlichen bis heute gültige Form schuf, war der zuerst 1474 als Block-
buch erschienene Kalender des Regiomontan. A. Ziegler, Regiomontanus, S. 31, sagt u.a.:
„Der Kalender ist ursprünglich für die Jahre 1475, 1494, 1513 bestimmt und dient vermöge
dieser Einrichtung für alle Jahre von 1475 bis 1532 ... R.'s Kalender ist jedenfalls der erste,
der in Europa gedruckt worden ist. . . und er hat lange als Muster gedient. Der 1474 er-
schienene Kalender ist ein xylographisches Kunstwerk, eines der geschätz-
testen antiquarischen Kleinodien...." Eingehende Angaben des reichen Inhalts bei
Schreiber und in der ADB. XXII, S. 578, wo Günther u. a. feststellte, daß der xylographische
dem gedruckten Kalender um ein Jahr vorausging. Gegenüber den verschiedenen gedruckten
Ausgaben hat das Blockbuch eine besondere Merkwürdigkeit: es enthält den frühesten
in der Literatur überhaupt bekannt gewordenen Aderlaßmann. Sowohl auf Ein-
blattdrucken, wie in Büchern bürgert sich dieser erst viel später ein. Die große Bedeutung,
die das Blockbuch infolgedessen in der frühen medizinischen Literatur einnimmt, ist eingehend
gewürdigt von Sudhoff, Tradition und Naturbeobachtung, Leipzig 1907, S. 41 ff. — Schreiber
unterscheidet drei Zustände dieses Blockbuches, die nur in Kleinigkeiten voneinander ab-
weichen. Vorliegender Zustand ist nach ihm der zweite. Bekannt sind davon überhaupt nur
zwei Exemplare, das der Staatsbibliothek in München und dieses. Das Exemplar ist hervor-
ragend gut erhalten und vorzüglich ausgemalt Sämtliche Tabellen sind vom Rubrikator mit
erklärenden Worten versehen, zum Aderlaßmann wurden Erläuterungen handschriftlich ein-
getragen, an einzelnen Stellen wurden Heiligenfeste vermerkt, die Sonnen- und Mondphasen
sind aufs Sorgfältigste koloriert. Blatt 1 und 29 sind am weißen Innenrande in früher Zeit unter-
legt. Auf Blatt lr zeigt dieser Streifen Beschriftung von der gleichen Hand, die die Innendeckel
des Einbandes mit Errechnungen zum Kalender für die Jahre 1488—1491 bedeckt hat.
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