Schuba, Ludwig
Die medizinischen Handschriften der Codices Palatini Latini in der Vatikanischen Bibliothek — Wiesbaden, 1981

Page: IX
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schuba1981/0015
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
I. Vorwort

Die im vorliegenden Band beschriebenen Handschriften des vatikanischen Fonds
Codices Palatini Latini gehören zu den Büchern, welche der Herzog von Bayern
und spätere Kurfürst Maximilian I. nach der Eroberung Heidelbergs durch Tilly im
September 1622 als Kriegsbeute beschlagnahmen ließ1. Sie sollten Papst Gregor
XV. als Vergütung für Subsidiengelder, die Maximilian von ihm zur Kriegsführung
gegen die protestantische Union erhalten hatte, geschenkt werden. Tatsächlich
hatte der Papst sein Interesse an der Bibliotheca Palatina bald nach Ausbruch des
böhmisch-pfälzischen Krieges zu erkennen gegeben und den bayerischen Herzog
gemahnt, die um wertvolle Bestände aus aufgehobenen Klöstern, z.B. aus Lorsch
und Schönau, bereicherte Bibliothek vor Kriegsschäden zu schützen2. So wurde
denn auch sogleich, nachdem die Botschaft vom Fall Heidelbergs im September
1622 in Rom eingetroffen war, Leone Allacci, Skriptor an der Vaticana, mit
kurzen Instruktionen über München nach Heidelberg gesandt-3. Unter dem Schutz
von Tillys Truppen wählte Allacci vom Dezember 1622 bis Februar 1623 Hand-
schriften und Drucke aus allen Heidelberger Büchersammlungen, nicht nur aus der
Heilig-Geist-Kirche, dem Standort der eigentlichen Bibliotheca Palatina, und regi-
strierte sie. In Kisten notdürftig verpackt brachte er die Heidelberger Bücher unter
militärischem Schutz nach München, wo man sie umpackte und schließlich in 196
Kisten auf Ochsenkarren zu einer mühsamen Fahrt nach Rom entließ. Leone
Allacci konnte die wertvolle Fracht am 5. August 1623 dem Kustos der Vatikani-
schen Bibliothek, Niccolo Alemanni, übergeben. Man hat in Rom diesen Bücher-
schatz mit Freuden in Empfang genommen und zeigte keine Bedenken, ihn als

1 S. Wilken, Geschichte S. 190ff.; A. Theiner, Schenkung der Heidelberger Bibliothek
durch Maximilian I., Herzog und Kurfürst von Bayern, an Papst Gregor XV. und ihre Ver-
sendung nach Rom, München 1844, S. 1—46; S. 48 ff. Dokumente; C. Bähr, Zur Geschichte
der Wegführung der Heidelberger Bibliothek nach Rom im Jahre 1623 in: Heidelberger
Jahrbücher 31, 1872, 481-519. H. O. Keunecke, Maximilian von Bayern und die Entfüh-
rung der Palatina nach Rom (mit Literatur) in: Archiv für Geschichte des Bibliothekswesens,
19, 1978, 1407-A6. Ders., Die Vorbereitung der Heidelberger Bücherentführung von
1622/23 durch den Vatikan und die Rolle Maximilians von Bayern in: Wittelsbach und
Bayern, Hrsg. Hubert Glaser, Bd. 2: Um Glaube und Reich — Kurfürst Maximilian I. — T. I.:
Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst 1573-1657, München 1980, 408^415.

2 Nach Keunecke, I.e., wurde Maximilian von Bayern von den Aktivitäten vatikanischer
Kreise hinsichtlich der Heidelberger Palatina überrascht und hat schließlich aus politischen
Gründen der Schenkung aller Bücher an Papst Gregor XV. zugestimmt.

3 C. Mazzi, Leone Allacci e la Palatina di Heidelberg, Bologna 1893. Instruktion für Allacci
vom Kustos der Vaticana, Alemanni, ibid. S.165 nach Theiner, Schenkung S. 55 f. (s.
Anm. 1).

IX
loading ...