Speer, Heino
Herrschaft und Legitimität: zeitgebundene Aspekte in Max Webers Herrschaftssoziologie (Teilw. zugl.: Bielefeld, Univ., Diss.) — Berlin, 1978

Seite: 7
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Vorwort
Eine Arbeit, die sich von rechtsgeschichtlich-verfassungshistorischer
Seite aus mit dem Werk Max Webers beschäftigt und die Ergebnisse
der soziologischen, politologischen und methodologischen Weber-Re-
zeption kaum in ihre Argumentation einbezieht, bedarf vorab der
Rechtfertigung. Diese Rechtfertigung liegt sowohl im Ansatz als auch
in der thematischen Durchführung der Arbeit.
Die Verabsolutierung wissenschaftlicher Begriffe, die die stete Ge-
fahr eines unreflektierten Umgangs mit scheinbaren wissenschaftlichen
Selbstverständlichkeiten ist, wird in dieser Arbeit durch den Aufweis
der Zeitgebundenheit universalhistorisch konzipierter Begriffe und
Typen im Werk Max Webers in Frage gestellt. Die Reflektion auf die
jeweilige wissenschaftsgeschichtliche Ausgangslage der gewählten Be-
grifflichkeit wird nicht nur als Ausgangspunkt, sondern auch als For-
derung dieser Arbeit gesehen: eine jede Wissenschaft arbeitet mit dem
Begriffsvorrat ihrer Zeit — nur gerät ihr dies allzu oft aus dem
Blick. Der maßgebliche Ansatz zu einer Befragung wissenschaftlicher
Begriffe auf ihre Zeitgebundenheit hin ging von der Geschichtswissen-
schaft — und in ihr besonders von Otto Brunner — aus, die die starre
Systematik der rechtswissenschaftlich orientierten Verfassungsge-
schichtsschreibung aufbrach und als die Systematik des kontemporären
Staats- und Rechtsverständnisses erkannte. Von diesem Ansatzpunkt aus
wurde die deutsche verfassungsgeschichtliche Forschung des 19. Jahr-
hunderts durch E.-W. Böckenförde auf ihren zeitgebundenen Aspekt hin
untersucht. Die Ergebnisse dieser Arbeit ermutigten dazu, den metho-
dologischen Ansatz der Gegenüberstellung zweier wissenschaftlicher
Darstellungsebenen — einer vergangenen und der gegenwärtigen —
und der Ausdeutung ihrer Differenz auch auf einen Autor wie Max
Weber anzuwenden. Die Person und das Werk Max Webers konnten
dafür wegen ihrer gegenwärtigen Bedeutung und ihrer stark rechts-
geschichtlich-verfassungshistorisch ausgerichteten Darstellung als be-
sonders fruchtbar in Angriff genommen werden.
Aus dem unerschöpflichen Material des Weberschen Werkes mußten
dabei Begriffe und Idealtypen ausgewählt werden, die dem Vorver-
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