Speer, Heino
Herrschaft und Legitimität: zeitgebundene Aspekte in Max Webers Herrschaftssoziologie (Teilw. zugl.: Bielefeld, Univ., Diss.) — Berlin, 1978

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Kapitel II
Legitimität
1. Charismatische Legitimität
Zu den drei reinen Typen der legitimen Herrschaft gehört — von
Max Weber wegen seiner Außeralltäglichkeit stets an letzter Stelle
genannt und behandelt — der Typus der charismatischen Legitimität.
Seine Legitimitätsgeltung beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe
an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer
Person und der durch sie osfenbarten oder geschaffenen Ordnungen"1.
Der Begriff des „Charisma" wird von Max Weber eingehend definiert:
„ .Charisma' soll eine als außeralltäglich (ursprünglich, sowohl bei Pro-
pheten wie bei therapeutischen wie bei Rechts-Weisen wie bei Jagd-
führern wie bei Kriegshelden: als magisch bedingt) geltende Qualität
einer Persönlichkeit heißen, um derentwillen sie als mit übernatürlichen
oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen,
nicht jedem anderen zugänglichen Kräften oder Eigenschaften oder als
gottgesendet oder als vorbildlich und deshalb als .Führer' gewertet
wird2." Der Legitimitätsgrund des Charisma liegt in dem „affektuellen
(insbesondere: emotionalen) Glauben"3 an die charismatische Qualität
des Führers; dieser Glaube wird von den Anhängern und dem charis-
matisch Begabten als Pssicht aufgefaßt: die Anerkennung der charis-
matischen Herrschaft durch die Beherrschten folgt hieraus als „Pssicht
der kraft Berufung und Bewährung zur Anerkennung dieser Qualität
Aufgerufenen"4. Faktisch abgesichert wird die Anerkennung durch die
Bewährung des Charisma, die das Anzeichen und die Garantie der
Fortdauer der charismatischen Begabung ist5. „Bleibt die Bewährung
dauernd aus ..., so hat seine charismatische Autorität die Chance, zu
schwinden6."

» WuG., S. 124.
2 WuG., S. 140.
3 WuG., S. 19.
•> WuG., S. 140.
5 Vgl. hierzu die Rolle des Erfolges für die Anerkennung des Charisma
bei Karl Holl, Enthusiasmus und Bußgewalt beim griechischen Mönchtum,
Leipzig 1898, S. 188. Max Weber zitiert das Werk als eine Quelle seines
Charisma-Begrifses.
* WuG., S. 140.
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