Speer, Heino
Herrschaft und Legitimität: zeitgebundene Aspekte in Max Webers Herrschaftssoziologie (Teilw. zugl.: Bielefeld, Univ., Diss.) — Berlin, 1978

Page: 172
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172 Zusammenfassung
die Aufgabe erfüllt, die allen idealtypischen Bildungen gestellt ist: den
Boden zu bereiten, auf dem sie korrigiert und ersetzt werden können.
Die Arbeit beschäftigte sich mit der Zeitgebundenheit in Max We-
bers Begrifflichkeit. Insofern mag es verwundern, daß eine Ressektion
auf die Ursachen dieser Zeitgebundenheit im 'Text fehlt und nur an den
beiden Beispielen der charismatischen Legitimität und des Feudalismus-
Begriffes auf die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen eingegan-
gen worden ist, denen die Zeitgebundenheit der befragten Idealtypen
und Begriffe entspringt. Das hat zwei Gründe: Zum einen liegt die
Erkenntnis, daß jede Wissenschaft mit dem Begriffsvorrat ihrer Zeit
arbeitet, als Selbstverständlichkeit vor allem Aufbau wissenschaftlicher
Begrifflichkeit — auch und gerade für Max Weber. Zum anderen aber
macht es der Umgang Webers mit seinen eigenen Begriffen, Katego-
rien und Typen unmöglich, generelle Erkenntnisse aus ihrer jeweili-
gen Verwendung abzuleiten. Max Weber verwendet sie als Rüstzeug für
den Umgang mit der Universalgeschichte stets nur heuristisch und bei
aller allgemeinen Fassung und äußeren Formulierung als allgemein-
gültiger Definition doch immer nur auf seinen konkreten Zweck be-
zogen. So erklärt es sich, daß die Ausformung dieser Begriffe je nach
ihrem Kontext wechselt, daß ein Idealtypus zum klassifikatorischen
Begriff wird und umgekehrt. Methodologische Aspekte lassen sich nur
aus Max Webers methodologischen Arbeiten ablesen, nicht aber aus
seinem jeweils wechselnden Umgang mit seiner Begrifflichkeit. Inso-
fern läßt sich bei Max Weber immer nur im Einzelfall eine Zeitgebun-
denheit dieser oder jener Aspekte eines Begriffes herausarbeiten, ohne
daß es möglich wäre, ihn — außer auf die erkenntnistheoretische
Grundlegung seines Zuganges zur Wirklichkeit — generell festzule-
gen. Eine Wirklichkeitsauffassung, die davon ausgeht, daß die durch
den Menschen entwickelten Begriffe die Wirklichkeit denkend ordnen,
wird — insbesondere bei einer universalhistorisch-vergleichenden Aus-
richtung — immer mehr zu zeitgebundenen Fassungen der Begriffe
gelangen müssen als dies der Fall wäre bei einer Auffassung, die dem
Zugang zur Begrifflichkeit der Quellen den Vorrang gäbe. Die in sich
amorphe Wirklichkeit kann denkend nur im Gedankenvorrat der eige-
nen Zeit geordnet werden — zu zeigen, wie dies im konkreten Fall bei
Max Weber ausgesehen hat, war das Ziel dieser Arbeit.
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