Stintzing, Johann August Roderich von
Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonischen Rechts in Deutschland am Ende des fünfzehnten und im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts — Leipzig, 1867

Page: 13
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/stintzing1867/0065
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
13

I

I zeizt, daß der Dcrfasser auch schon von dem jüngercn Iuristen Kunde katte,
I was mit dcr Nennung des Cardinal Zabarella übercinstimmt.

Wir werden somit auf den Anfang des fünfzehnten Jahrhunders ge-
» führt, als diejcnige Zeit, welche der Berfasser jedenfalls erlebte. Darüber
I hinauszugehen sind wir nicht berechtigt, weil die beiden obcn genannten die
I spätesten unter dcn aufgezählten Doctoren sind, und namcntiich weder Ini-
» äovious koiniinu8 noch knnormitunus erwähnt wcrdcn.

Bestätigtwird dies durch die ErklärungdcrAbbreviaturLxtrn, welche
I so lautet: icl est in likro Ooerstulium, ciuom Ilnvmuixlu» onmjnliivit;
» sie clietiitz sunt eo, ciuocl tzxtru Ooeretuni «int extrkivii. icl 68t tzxtra-
I Vil^klllto f8j.

Der Berfasscr kennt also nur noch dcn älteren Sprachgcbrauch, nach
I welchem sämmtliche Dckretaien als Extravaganten bezeichnct wurden. Erst
I seit dem Baseler Eoncil bildet sich die Borstellung von der Gcschloffcnhcit
» eines 0orpii8 suri8 ennoniei, zu welchcm nun die Dekretalen ncbft Scrtus

> und Clemcntinen gehören; und von nun an wird die Bezeichnung Lxtrii
» und der Begriff dcr Ertravaganten in der hcutzutage üblichen Weise be-
I schränkt. Wir werden sehen, daß dcr spätere Lloclrm IoLoucli dicse Ber-
I änderung ausdrückiich bezcugt.

Für die Localität des Ursprungs scheint eine Andeutung in fvlgender
» Stelle zu liegen:

Ili.cltz ro .sur . i.cliKitu8 cltz rozruli« juri8.ot e.8t lidor «;uickicm 8io
ckiotu8 . tzt lircbetue UruA. in libruriii iiuKU8tin6N8.

Das Buch, wclchcs hier genannt wird, ist unbekannt. Sichcrlich aber
N licgt in der Auflösung der Abbreviatur ein Irrthum; sie solltc nämlich
»heißen: I)inii8 cko reKuIi^ suri8*), ein Werk, wclches Cazalupis den
I Tcholaren immer bei sich zu führen anräth **). Bcmerkenswcrth ist hier dic
»Hinweisung auf die Bibliothck der Augustincr in Brügge. Wir dürfen
daraus schlicßen, daß der Berfaffcr in dcr Nähe, also in dcn Niederlanden

> lebte.

Aus der Sorgfalt, mit wclcher bei mehreren Schriftstellern erwähnt
»wird, daß sie dem Prcdiger-Ordcn angehört habcn, darf man vermuthen,
N daß der Berfasscr selbst Ordcnsgeistlicher gewesen.

') Vgl. ül'cr dicscn Savignn Bd. ö S. 447 ff. 456.

"! dloäuL stuäsoüi, Duoumentuin sentimum.
loading ...