Thorbecke, August [Oth.]
Statuten und Reformationen der Universität Heidelberg vom 16. bis 18. Jahrhundert — Leipzig, 1891

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wir, do wir ettwas mangls hirinnen befinden würden, allwegen aus unsern räthen
oder dienern einen zu solcher Visitation verordenen und ernstlichen befehlen lassen,
sampt dem rectore und seinen zugeordenten in gemeltem collegio Dionysiano
helfen uffsehens zu haben, das die statuta desselben uffrichtiglich volnzogen und
gehandhabt werden, mit verstrickhung, wo er oder dieselben ettwas unordentlichs
und mangelhaftigs vermerckhten, in welcher gestalt das were, dem rectori und der
universitet anzuzeigen, mit begehre, dorein zu sehen, zu bessern und abzuwenden,
sampt angehenckhter drawe: wo das nicht beschee, muste ers aus schuldigen
pflichten an uns oder unsere räthe gelangen lassen, welches er liber vermitten
sehe. Und so solchs nit verfangen wolte, ferner bei seinen gethanen pflichten an
uns oder unsere räthe einsehens dorein zu haben anzubringen, (f. 259.)

Be seh Ins1).

Dieweil dann nun wir pfaltzgrave Ottheinrich churfurst dise obgeschribene
newe Ordnung auff vorgehabte zeittige und fleissige beratschlagung mit furtreff-
lichen leuten also bedacht, gesetzt und statuirt, die christliche, wahre, reine lehre
von der menschen ewigen Seligkeit und ihrem eusserlichen wandl gegen gott, auch
gutte nutzliche kunste dem allmechtigen zu ehren und gehorsam, unserer kirchen,
furstenthumben und landen so wol, als der universitet selbst zu trost, uflnemen,
gedeien und wolfarth dardurch zu erbauen und außzubreiten, auch anderen aus-
wendigen nach dem willen gottes in gleichen Sachen damit freuntliche und gne-
dige befurderung zu erzeigen: so ist unser ernster will und meinung für uns,
unsere erben und nachkomen, die pfaltzgraven bei Rein und churfursten sein, das
solche Ordination in allen ihren articuln, puneten und clausein, inmassen dorinnen
steet und begriffen ist, von allen und ieglichen verwandten und glidmassen vil
ernanter unser academia, sie seien gleich hohes oder nidrigen Stands, so ferr die
einen ieden berurt, getreulich, fleissig, aufrichtig und volkomblich, ohn einichen
abbruch gehalten und volnzogen werden soll und sich niemands liberal under-
stehen, ettwas zu handln und zu suchen, das disem zuwider sein, oder zu schmeh-
lerung, Verhinderung und Verletzung gelangen muge, als lieb ihme ist, unser und
unserer erben schwere ungnade, auch unnachlessliche straffe zu vermeiden.

Wir behalten auch uns und gemelten unseren erben hiemit bevor, dise
Ordination mit wissen und rath des rectoris und universitet zu verminderen, ver-
mehren und veranderen, wie sollichs iedesmal nach gelegenheit aller umbstende
ietztgedachter universitet am nutzlichsten, besten und bequemsten sein mag.

Des zu wahrer uhrkund haben wir unser insigel hieran zu henckhen
wissentlich (f. 260) verschaffet. Gescheen zu Heydelberg uff montag den neun-
zehenden monatstag decembris, nach Christi unsers Üben herrn und seligmachers
gepurt tausent funfhundertfunfftzig und acht iare.

1) Fehlt in C.
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