Uhde, Constantin [Editor]
Die Architekturformen des klassischen Alterthums mit besonderer Berücksichtigung der Säulenordnung und Gesimsbildung — Berlin [u.a.], [ca.] 1902

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Vorbemerkungen.

Gebiete der Forschung nach den Überresten der

Auf dem .hen Alterthums ist wohl in keiner Zeit nach

Architektur des k ^ ^^ um| m Tag£ gefördert) als

Zerstörung jene ^ SchIusse des vorigen Jahrhunderts. Von

q 1 liemami rückwärts bis Stuart und Revett sind eine Menge längst

• c 1 , ,, „1(M. Rauten de.-; Alterthums für unsere Kenntniss und
verscnoiienei "'»ut

Anschauung wieder erstanden.

Die Literatur an Monographien und 1 Yachtwerken über die
Expeditionen, welche kunstsinnige Nationen und Private zur Er-
forschung einzelner fast vergessener Hauwerke des Alterthums aus-
rüsteten, ist sehr gross. Dieses Quellenstudium dürfte wegen der
bedeutenden Kosten dem Privatmann und selbst vielen Lehranstalten
so gut wie verschlossen sein.

Naturgemäss bilden aber diese <Hiellenwerke die historische,
archäologische und architektonische Grundlage für die Kenntniss der
betreffenden Bauwerke.

Aus der Um- und Überarbeitung all dieses gewaltigen Materials
sind die verschiedensten kunsthistorischen Sammelwerke entstanden,
wie z. B. die von Kugler, Schnaase, Lübke, die des Engländers
Fergusson und der Franzosen Perrot und Chipiez. Alle diese
Werke geben in Wort und Zeichnung die Entwicklung der Kunst-
jorm im Anschluss an die Cultur- und politische Geschichte der
Völker und erläutern die Bauwerke in ihrer Gesammtanordnung.
Selten nur wird bei den vielfach anderweitigen Gesichtspunkten
einer solchen Kunstgeschichte auf die konstruktive oder speciell
architektonische Formgebung eingegangen.

Nach dieser letzten Richtung hin hat J. Durm in seinen Ab-
handlungen über die Baukunst der Griechen und Römer im Hand-
buch der Architektur*) eine grosse Lücke ausgefüllt, indem er die
antike Bauweise besonders bezüglich ihrer ästhetisch durchgebildeten
Konstruktion darstellte. Ähnlich hat A. Choisy in seinem Werke:
L'art de batir chez les Romains**) die Konstruktionsweise der
römischen Bauwerke beschrieben.

Auf die architektonische Form haben Normand & Manch in
ihrem \\ erke über die griechischen und römischen Säulenordnungen
den alleinigen Werth gelegt, ebenso ist dieselbe in dem Werke
von Bühl mann-**) ausführlich behandelt.

Die Vergleichung der Architekturtheile der einzelnen Bauwerke,
sowie die möglichst genaue Wiedergabe der Einzelformen ist für
den lernenden und ausübenden Architekten von grösster Wichtigkeit
und wäre — wenn überhaupt angänglich — durch das Studium
der Bauwerke an Ort und Stelle oder durch Wiedergabe der Einzel-
heiten in natürlicher Grösse am besten zu erreichen. Aber die
monographischen (hiellenwerke und Aufnahmen lassen eine solche
Vergleichung kaum zu: einmal sind die Aulnahmen schon eines
Bauwerkes, z. B. des Erechtheion im Stuart und Revett des Buch-
formates halber in sieben verschiedenen Massstäben gezeichnet, dann
sind aber auch die Aufnahmen in den verschiedenen Werken nach
englischen, französischen, italienischen oder deutschen Masseinheiten
aufgetragen und nur in neuster Zeit ist denselben das Metermass
zu Grunde gelegt. Eine Reduktion der Zeichnung ist daher immer
für die direkte- Vergleichung der Abmessung zweier Bauten erforderlich.

Um diese zeitraubenden Reduktionen zu vermeiden und eine
< irekte Vergleichung einzelner oder ganzer Gruppen von Bauwerken
vornehmen und sich einen klaren Überblick von der Massenwirkung
ist' be!nz^lnen 7heile und Konstruktionen verschaffen zu können,
WerlT • W,edergabe der antiken Bauten in dem vorliegenden

«ein absolutes Höhenmass zu Grunde gelegt.
ist gleichmäßigClneS Gebäudes- einer Säulen" oder Bogenstellung
Fusslinic der Zei0ngen= " "*"" an2enommen-

einander gelegt, so sind unmittelbar alle Unterschiede in den Höhen-
abmessungen und der Massenvertheilung der einzelnen Bautheile zu
ersehen. Will man sich dagegen ein klares Bild von der wahren
Grösse eines Bauwerkes im Verhältniss zur Zeichnung machen, so
braucht man nur die eingeschriebene absolute Höhe mit drei zu
multipliciren und findet so die Verhältnisszahl der Verkleinerung
zur Einheit.

Bei dem Septimius Severus Bogen z. B., dessen I lohe 20,79 mtr
beträgt, ergiebt sich durch die Multiplikation mit 3 die Verhältniss-
zahl der Zeichnung zur Naturgrösse— 2„,'7<) x 3 " J.i7-

Die Einzelformen sind ferner im 10 fachen Massstabe der
Wiedergabe des ganzen Bauwerkes aufgetragen, wodurch eine Ver-
gleichung auch dieser Einzelformen unter einander ebenso leicht ist
wie diejenige der ganzen Bauten. Gerade diese unmittelbare Ver-
gleichung ist vom grössten Interesse und ergiebt eine Menge
anregender Resultate.

Ist also die Wiedergabe des Septimius Severus Bogens in der
Gesammtansicht 1:62,37, so stehen die Einzelheiten im Verhältniss
1:6,237 der natürlichen Grösse, oder umgekehrt ist die Naturgrosse
etwa sechsmal so gross wie die Zeichnung. Mit grosser Leichtigkeit
kann man sich also die Grösse des Säulenkapitäls vom gen. Bogen
an irgend einem Gegenstande unserer Umgebung durch direkten
Vergleich vergegenwärtigen.

Um aber auch eine direkte Vergleichung der absoluten
Grössen der Bauwerke ohne Umschweife zu erhalten, sind auf zwei
Blättern die griechischen wie die römischen Säulenordnungen,
Triumphbögen und Theater nach einem Massstabe: ,' zusammen-
gestellt. Diese Übersicht hat den Zweck, auf die grossen Mass-
unterschiede bei den verschiedenen Bauten des Alterthums auf-
merksam zu machen, ebenso wie aus der Zusammenstellung je
dreier Säulen auch über die Zwischenweiten derselben Auskunft
gegeben wird.

Von vielen Bauwerken sind nicht mehr alle zusammengehörigen
Theile vorhanden und musste deshalb bei diesen von der vorhin
besprochenen gleichartigen Reduktion Abstand genommen werden.
Immerhin sind solche Überbleibsel interessant genug, um, auf einigen
Blättern gruppenweise veremigt, im Anschluss an die erhaltenen
Bauten ein möglichst vollständiges Bild der Gesimsbildungen von den
ersten Anfängen antiker Architektur bis zu deren Verfall zu geben.

Aus gleichem Grunde sind auch in Gruppe I die vorklassischen
Architekturformen der Ägypter, Assyrer und Perser vereinigt, weil
diese vielfach Aufschluss über die Entstehungsart der griechischen
Formen bringen.

Die Tafeln 4—14 dienen ferner dazu, die Einzelformen der
griechischen Bauweise in ihrer Linienführung, Modellirung und Be-
malung möglichst klar zu stellen, weshalb diese Formen nur in
geringer Verkleinerung gegenüber der Naturgrösse gegeben sind
und dadurch ein ausgezeichnetes Studienmaterial bilden.

Der Natur des zu bewältigenden Stoffes entsprechend, werden
die vorliegenden Tafeln oft Lücken enthalten, ebenso wie solche
durch die Begrenzung des Zieles und Zweckes dieser Veröffent-
lichung entstehen mussten. Immerhin ist zu hoffen, dass der
studirende wie der fertige Baumann, der Kunstforscher wie der
Laie in diesen Tafeln ein reiches Material zum gründlichen Ver-
ständniss der klassischen Architektur Griechenlands und Roms finden
wird, welches zur Ergänzung jener Werke dienen soll, die nui

Ergänzung
lgemeinen Rahmen und in grossen Zügen die Baukunst

im
einer

auf den einzelnen Tafeln genau neben

L'art ,1,. batir cheT'leTRo ' :'rla-,,«"! Arnold Bergsträsser, Darmstadt 1885

Di- Architektur des klaSK a,**"? l8?3'

lassiscnen Alterthums und der Renaissance. Stuttgart

Zeitepoche behandeln, die immer als Vorbild dienen soll.

Die Angabe dev Quellenwerke dürfte dem gründlichen Forscher
willkommen sein, ebenso die Aufzeichnung der Erbauungszeit

einzelnen Bauwerke, soweit diese noch zu bestimmen war.

üer

-5 ?ÄUfhu.d«r Architektur, Verl

1877.
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