Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 10.1915

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366 BESPRECHUNGEN.

zeitlicher Reihenfolge vorführt, sondern eine Einteilung der in Betracht kommenden
Gattungen von Gemälden vornimmt. Diese Gattungen sind allerdings herkömm-
liche: Religiöse Malerei, Mythologie und Historie, das Porträt, das Gruppenbild,
das Sittenbild, das Interieur, die Landschaft, das Seestück, das Kirchenstück, und
das Stilleben; aber ihre Berücksichtigung sichert doch den Ausführungen einen
stärkeren Anteil, zumal Jantzen es versteht, innerhalb der einzelnen Abschnitte Ge-
sichtspunkte zur Geltung zu bringen, die auch den Ästhetiker interessieren werden.
Da solche sich ihm bei der Arbeit aufgedrängt haben, und nicht aus dem fertigen
Bestreben hervorgegangen sind, zu schematisieren, so werden auch lebende An-
regungen von ihnen ausgehen. Fred C. Willis hat in seinem ziemlich zugleich
erschienenen Buch: »Die niederländische Marinemalerei« (einer Umarbeitung einer
Hallischen Dissertation) allerdings mit völlig anderen wissenschaftlichen Absichten
eine gegenständlich begrenzte Kunstgruppe herausgegriffen, der auch Jantzen einen
ganzen Abschnitt widmet. Aber während Willis das Marine-Historienbild, den
grauen Ton und die Stimmungsmalerei und schließlich die Erneuerung des Kolo-
rismus, das Effektstück und die Vedute behandelt, sein Buch also in drei Kapitel
teilt, findet Jantzen vier »Stile«, den konventionellen, den impressionistischen, den
klassischkomponierenden und den manierierten. Dabei zeigt sich die bemerkens-
werte, wenn auch nicht allzu überraschende Tatsache, daß diese »Stile« im behan-
delten Zeitabschnitt auch gegenständlich ausgeprägt sind, wie sich aus dem Zu-
sammenhang von bewegter See und Impressionismus, stiller See und klassisch
komponierendem Raumstil nach Jantzens Ausführungen ergibt.
Wien.

Rudolf Ameseder.

Läzär, Bela, Die Maler des Impressionismus. Sechs Vorträge, gehalten
in der University Extension zu Budapest. Mit 32 Abbildungen und einer
färb. Tafel. Aus Natur und Geisteswelt. 395. Bändchen. B. G. Teubner. 1913.

Die kunstwissenschaftlichen Aufstellungen des Verfassers, die ihrer allgemeinen
Natur wegen hier besprochen sein mögen, beziehen sich auf das Wesen des Im-
pressionismus, des Stiles, und auf eine Unterscheidung, die mit den Schlagworten
»abstrakte« und »konkrete Phantasie« getroffen wird. Sie finden sich im ersten
Vortrag, der sich mit Manet und Courbet beschäftigt, und reichen in den zweiten
hinein, der ausschließlich Manet und seiner Entwicklung gewidmet" ist. Die
folgenden Vorträge, deren Stoff Monet und die Malerei des Sonnenlichtes, die
Rückwirkung Monets auf Manet, die Kunst ihrer Genossen: Pissaro, Renoir und
Sisley, die Verfeinerung des Impressionismus bei Bernard, Whistler und Carriere,
die Vereinfachung der Richtung, die Auflösung der Farbe und der Einfluß des
Impressionismus auf die Wandmalerei bilden, sind lediglich von entwicklungs-
geschichtlichem Interesse, nicht widerspruchslos hinzunehmen, aber flott, fast zu
flott geschrieben.

Man kann, meint der Verfasser, mit dem Worte »Impressionismus« eine
»Lebensauffassung, ein bestimmtes Kulturideal, gewisse politische, religiöse, philo-
sophische Überzeugungen« in verschiedenen Erscheinungsformen, nicht nur auf dem
Gebiete der bildenden Kunst, sondern auch der Dichtung und der Musik bezeichnen;
dem entgegen will er darunter »bloß eine malerische Tendenz, nichts anderes«
verstehen. Der Maler sieht die Natur, im besonderen die Farbe, »nicht mit den
praktischen Augen des handelnden Menschen, sondern er beobachtet, sich gleichsam
von der Realität abwendend, die Erscheinungsformen der Realität«; die Farben,
Linien, Töne, Lichtübergänge . .. sind ihm Selbstzweck ... Er sucht den geheimen
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