Heidelberg Accession Index (HAI): Zugangsbücher und Bestandsverzeichnisse europäischer Sammlungen und Museen

Bestandsverzeichnisse und Zugangsbücher spiegeln den wechselhaften Sammlungsaufbau und die Erwerbungsstrategien öffentlicher Museen wider. Über Jahrzehnte – oder manchmal sogar über Jahrhunderte – wird in ihnen aus erster Hand über Vorbesitz und Erwerbungskonditionen, über spätere Verluste und Verlagerungen, über Fundumstände, Ankäufe und Schenkungen berichtet. Die meist handschriftlich verfassten Bände sind damit eine zentrale Primärquelle.

Objekt- und Sammlungsgeschichte(n) haben in den letzten Jahren ganz neues Interesse und neue Bedeutung gewonnen. Dies resultiert zum einen maßgeblich aus den vielfältigen Herausforderungen und neuen Forschungsansätzen zu Provenienzforschung, Museologie oder der Aufarbeitung von Objektbiographien (‚object studies‘), zum anderen aber auch aus den neuen Möglichkeiten, die eine digitale Erschließung und Vernetzung der relevanten, teils sehr heterogenen Materialien und Quellen nun eröffnen: Verkaufs- und Auktionskataloge, Zugangsbücher und Bestandsverzeichnisse, Fotodokumentationen, Publikationen, Korrespondenzen und Kataloge lassen sich umfassend zusammenführen und so das ‚Netz‘ der Objekt-Bewegungen, der Akteure und Bezüge in bisher unerreichbarer Dichte erschließen und rekonstruieren.

Die UB Heidelberg erweitert mit dem Heidelberg Accession Index (HAI): Zugangsbücher und Bestandsverzeichnisse europäischer Sammlungen und Museen ihr Angebot German Sales. Die dort eröffnete Forschungsperspektive auf kommerzielle Auktions- und Verkaufskataloge wurde nun um den Blick auf die institutionelle Dokumentation und die Erwerbungsstrategien öffentlicher Sammlungen und Museen ergänzt. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zu einer umfassenden Erschließung der Provenienzen von Kunstwerken, von Sammlungsbeständen und Akteuren auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und darüber hinaus geleistet. Die digitale Verfügbarmachung erleichtert die kollaborative Auswertung der Informationen aus den verschiedenen transdisziplinären Perspektiven.

Ausgangspunkt für das neue noch im Aufbau befindliche Angebot, das einen möglichst breiten Nachweis digital verfügbarer Zugangsbücher und Bestandsverzeichnisse europäischer Sammlungen und Museen anstrebt, sind die rund 1.000 Erwerbungsbücher der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) aus den Jahren 1650 bis 2010. Sie bilden bis heute den Bestandsnachweis ihrer 15 Sammlungen und spiegeln die wechselvolle Geschichte der Berliner Museen, ihrer Bestände und deren Aufbau wider. Seit 2014 werden Neuzugänge in den Sammlungen in elektronischer Form dokumentiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Jahren 2019 bis 2022 im Rahmen des Forschungsprojekts Provenienz und Bestand. Online-Publikation der Erwerbungsbücher und Zugangsverzeichnisse der Staatlichen Museen zu Berlin.

Ergänzt werden diese Berliner Erwerbungsbücher (aktuell sind rund 700 Bände hier online) – um Inventarbücher von mehr als 15 weiteren Partnern, z. B. dem Deutschen Historischen Museum Berlin, dem LVR-LandesMuseum Bonn, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem Städtischen Museum Göttingen, dem Kölnischen Stadtmuseum, dem ZI München, der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums, der Staatsgalerie Stuttgart, dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe oder der Universität Heidelberg. Weitere Bestände sind in Vorbereitung. Insgesamt können aktuell ca. 1.180 Inventarbände online eingesehen werden.

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