Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst   [Hrsg.]
Die Graphischen Künste — 36.1913

Seite: 74
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Er wurde 1825 zu Zafosce in Galizien als das jüngste von acht Kindern eines Leutnant-
auditors geboren, der unter Kosciuszko gekämpft hatte, bei Kaschau gefangen worden, über die
Grenze geflüchtet und schließlich in österreichische Dienste getreten war. Eduard v. Duczyriski
war Zögling der Wiener-Neustädter Militärakademie und wurde 1848 als Leutnant ausgemustert.
Als solcher machte er 1848 49 den Winterfeldzug in Ungarn mit. 1849 wurde er zum Ober-
leutnant befördert und dem General-Quartiermeisterstab zugeteilt. 1850 wurde er definitiv in dieses
Korps übersetzt. 1852 wurde er Hauptmann, 1860 Major. Vor dem Feinde zeichnete ersieh
wiederholt aus: er nahm 1848 tätigen Anteil an den Vorgängen bei Wien und Schwechat, 1849
machte er die Gefechte bei Schemnitz, Waitzen, Nagy-Sarlö, Schmitau und Szered und die
Schlachten bei Pered, Raab, Komorn, Szöreg und Temesvär mit. Für die bei Schmitau bewiesene
Entschlossenheit erhielt er das Militärverdienstkreuz. Im italienischen Feldzug des Jahres 1859 ver-
schaffte ihm sein mutvolles Benehmen bei Magenta den Orden der Eisernen Krone III. Klasse, bei
Solferino bewährte er sich als tüchtiger Kolonnenführer. In der zehnjährigen Friedenszeit zwischen
den beiden Feldzügen in Ungarn und in Italien war Duczyriski drei Jahre im Kriegsgeschichtlichen
Bureau in Wien und zwei Jahre bei der Mappierung, hier wie dort mit sehr gutem Erfolg tätig.
Die drei in Wien, im ersehnten Herzen des Reiches, verbrachten Jahre bedeuten für Duczyriski
den Gipfel seines Lebens. Während dieser Zeit fand er neben seiner Berufstätigkeit Muße, an der
Universität sein Lieblingsstudium, Chemie, zu treiben und abends an der Akademie der bildenden
Künste bei St. Anna Akt- und Anatomiekurse mitzumachen. Damals war er auch ernstlich mit den
Vorarbeiten zu einem großen Bilde beschäftigt. Im Dezember des Jahres 1860 war er zum Major
befördert worden; strahlend vor Glück wollte er die Braut heimführen, da ergriff ihn die schwere
Krankheit, der er schon am 25. März 1861 zu Mickosz-Stary in Galizien, nicht mehr als 36 Jahre
alt, erlag.

Schon dieser knappe Abriß zeugt von einem ungewöhnlich intensiven Leben, über das aber,
nicht allein wegen des jähen vorzeitigen Endes mitten im Glück, ein Schleier der Wehmut gebreitet
liegt. Duczyriski war Pole, der Sohn eines Mitkämpfers Kosciuszkos. Sein unglückliches Vater-
land wußte er zerstückt und geknechtet. Er selbst, in dem der Freiheitsdurst jenes edeln Volkes
ja nicht erloschen gewesen sein kann, war durch eine tragische Verkettung von lTmständen
Untertan eines Staates, der gerade damals wie kein anderer jede freiheitliche Regung mit Blut und
Eisen unterdrückte. Und in der Armee, mit deren Hilfe dies hauptsächlich geschah, war er Offizier.
Es müssen geteilte Gefühle gewesen sein, mit denen er gegen die ungarischen, gegen die
italienischen Freiheitskämpfer focht. Und denkt man sich ihn etwa in Mailand, wo er tatsächlich
gewesen ist, so hätte Giuseppe Giusti, der Autor des berühmten Gedichtes »Sanf Ambrogio«, mit
ihm noch ein ganz anderes und w^ohl ein tieferes Mitleid fühlen müssen als mit den tschechischen
und kroatischen Soldaten Österreichs, die er in jener altehrwürdigen Kirche Mailands beim Gottes-
dienst sah. —

Der künstlerische Nachlaß Duczyriskis besteht aus ungefähr 130 Zeichnungen und Aqua-
rellen, die sich in der treuen Obhut seiner Nichte, der Malerin Irma v. Duczyriska, befinden, deren
freundliches Entgegenkommen diese kleine Publikation ermöglicht hat, auf deren gütigen Mit-
teilungen diese Ausführungen hier zum weitaus größten Teil beruhen.

Das älteste datierte Blättchen ist eine noch recht befangene, im Stile irgendeines Romantikers
gehaltene Federzeichnung: ein zur Wanderschaft gerüsteter Jüngling kniet weinend vor einem
Kreuz, hinter ihm schwebt ein Engel, der ihn tröstend auf die Inschrift des um das Kreuz sich
schlingenden Bandes verweist, die »Auf Wiedersehen!« lautet. Die Zeichnung ist »Kis Ber,

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IsüSi
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