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Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Hrsg.]
Die Graphischen Künste — N.F. 1.1936

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Kurz, Otto: Drei Zeichnungen Pieter Brueghels des Älteren
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Wilde, Johannes: Der ursprüngliche Plan Michelangelos zum Jüngsten Gericht
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https://doi.org/10.11588/diglit.6336#0016
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ten Kunstwerk, dessen Merkmal die bildmäßige Abgeschlossenheit ist und das fast stets auch
die Signatur des Künstlers trägt. Bezeichnend ist, daß keine der „Nach dem Leben"-Zeichnun-
gen signiert oder datiert ist. Auch in den von Tolnai als einheitliche Gruppe behandelten
Landschaftszeichnungen lassen sich die beiden Gattungen scheiden. So ist z. B. die Landschaft
in Dresden (Tolnai 10) eine Naturstudie, die der Künstler später — Romdahl und Tolnai
selbst haben das nachgewiesen — für zwei Landschafts-Kompositionen benutzte. Auch
von dieser Seite her läßt sich die ältere, unbefangenere Deutung der Beischrift „naert
het leven" stützen.1

JOHANNES WILDE / DER URSPRÜNGLICHE PLAN MICHELANGELOS

ZUM JÜNGSTEN GERICHT2

Am 17. Juli 1533 teilt Sebastiano del Piombo aus Rom Michelangelo im Auftrag des Papstes
mit:3 State de bona voglia che [Nostro Signore] ha deliberato inanti che tornate a Roma lavorar
tanto per vui quanto havete facto et farete per sua Sanctita et farvi contrato de tal cossa
che non ve lo sogniassi mai. Und weiter, zur Bekräftigung des Gesagten: Queste parolle
non sonno rasonamenti che sia stati tra nui. Sua Sanctita me ha comesso che ve lo debia
scriver da parte sua; et si notate bene sonno parolle che importano assai. Et sapete comme Papa
Clemente si guarda del prometer di questa maniera. Adesso possete esser chiaro e star col vostro
animo in repossa. — Von Florenz innerlich ganz losgesagt, seiner dortigen Arbeiten überdrüssig,
wartet der Meister sehnsüchtig-ungeduldig auf den Tag, an dem er nach Rom zurückkehren darf.
Clemens VII. sucht ihn mit der Aussicht auf einen glanzvollen neuen Auftrag zu trösten.

Das Projekt, von dem wir auf diese Weise erfahren, kann nur das des Riesenfreskos der
Sixtinischen Kapelle gewesen sein. Michelangelo mag darüber näheres wenige Wochen später
beim Zusammentreffen in S. Miniato al Tedesco vom Papst selbst vernommen haben. Jeden-
falls muß der Künstler während seines nächsten römischen Aufenthaltes — des letzten im
Leben des Papstes — vom Herbst 1533 bis Frühjahr 1534 schon an der Ausführung des Kartons
gearbeitet haben. Denn die Tatsache, daß das Werk nicht nur eine Idee des Mediceers gewesen,
sondern in dessen Leben auch schon bis zum Karton gediehen ist, wird uns, übereinstimmend
mit den Mitteilungen der Biographen,1 von einer Urkunde, dem Motuproprio Pauls III. vom

1 Es sei zum Schlüsse gestattet, auf eine von der Brueghel-Forschung übersehene Stelle im Testament und
Nachlaßinventar des Giulio Clovio aufmerksam zu machen, die für die italienische Zeit Brueghels Bedeutung
besitzt (Abgedruckt u. a. in G. Vasari, Vita di G. Clovio, ed. A. M. Bessone Aureli, Firenze 1915, S. 78 ff.). Clovio
besaß vier Gemälde von Brueghel: einen Baum, eine Ansicht von Lyon, einen Turmbau zu Babel und ein viertes
Bild, dessen Gegenstand nicht genannt wird, das aber besonderes Interesse verdient, weil es eine gemeinsame Arbeit
Clovios und Brueghels war. Vermutlich ebenfalls aus Clovios Besitz dürften die Zeichnungen Brueghels stammen,
die summarisch im Testament des Clovio-Schülers Claudio de' Massarelli da Caravaggio angeführt werden (publiziert
von A. Bertolotti, Artisti Lombardi a Roma, Milano 1881, II, 294).

2 Geschrieben für die Festschrift, die Herrn Professor Walter Friedländer anläßlich seines 60. Geburtstages von
Schülern und Freunden in Manuskriptform überreicht wurde.

3 G. Milanesi, Les correspondants de Michel-Ange, I, S. 106.

1 Vasari (1550): Et gia dato principio a' disegni, successe la morte di Clemente VII...; Condivi (1553):

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