Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst — 1897

Seite: 33
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/mgvk1897/0037
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Facsimile
Ifelbfl

Zei*nu,

Und- nicht P

Uns



»C

■ 1

^

.!<»

emlt^

fchen





in



ilthue

»nd dif

Zeich«ungg
L r-eliung

p*"*

.Ki"'

33

eine Spielerei, von der man allenfalls lagen kann, es fei
ein >■ netter« Einfall. Bios war es keine Affiche. Dagegen
mufs gefagt werden, dafs die Affichen der beiden
Münchener Zeitfchriften »Jugend« von L. Zumbufch und
»Simplicissimus« von Th. Heine ihrem Zwecke in
humorvoller Weife entfprachen, wie denn auch eine ganze
Reihe von Placaten für die grofsen Masken-Abende der
Studierenden an der königlichen Akademie der bildenden
Künfte zu München genugfam bewiefen, dafs an Kräften
talentvollfler Art kein Mangel fei. Eine riefige Lithographie
von O. Greiner gab die Abhaltung eines »Fefles auf dem
Meeresgrunde«, eine andere von O. Jank »Ein Rendez-
vous in der Unterwelt« bekannt. Freilich fafs bei folchen
Dingen nicht der landläufige Gefchmack zu Gerichte über
die von Akademikern eingelieferten Entwürfe. Hans
Unger, ein Dresdener Künfiler, Ludwig v. Hofmann,
einer der wenigen auf eigenen Wegen lieh bewegenden
Berliner Maler, und Carl Hermann, ebenfalls in Berlin,
R. Müller in Dresden, Otto Eckmann und Carl Straht-
mann, beide in München, das lind, um zum Schluffe zu
kommen, die Namen, an welche lieh Hoffnungen mit allem
Rechte knüpfen laffen. Ihnen fehlt, was den Grundzug fo
vieler deutfeher Künfiler, namentlich Placatzeichner aus-
macht, jene gewiffe dickleibige Philifterhaftigkeit, die auch
auf anderen Gebieten ihre wohlmeinend-rechthaberifchen
Anfchauungen zur Geltung zu bringen verlteht und
künftlerifche Gebahrung nicht ungerne durch weife Ver-
ordnungen geregelt, manchmal auch gemafsregelt fehen
würde.

Wenig läfst fich fagen über die künftlerifche Affiche
in Öfterreich, weniger noch über das nämliche Thema,
foferne es die Schweiz betrifft. Wandert man in Wien an
den langen Brettumzäunungen hin, die über und über mit
Reclamen aller Art beklebt lind, fo bleibt das Auge nur
feiten des künlüerifchen Eindruckes wegen irgendwo
haften. Seitdem der grofse Überrafchungsmaler Hans
Makart die Augen gefchloffen hat, ift Wiens Kunftleben
ohne weitere grofse Aufregungen geblieben. Es geht ruhig,
ohne Einflufs nach irgend welcher Seite zu üben, in
gemeffenem Schritte weiter und überrafcht die Welt nicht
durch aufsergewöhnliche Leiftungen. Die Lithographien
feiner Witzblätter ermangeln jeder pikanteren Feinheit
und appelliren keineswegs an fehrgebildete Empfindungs-
weile. Der feine decorative Geilt, der lieh an und in
Gebäuden, wie dem Belvedere u. a., kundgibt, fcheint
verfchwunden, der mächtige Lebenszug, der feit dem Baue
der Ringltrafse erwachte, ohne nachhaltige Wirkung auf
die fonft gewifs nicht von puritanifchem Lebensemfte
durchzogene fchöne Donauftadt geblieben zu fein, in
Bezug auf künftlerifche Aufserung wenigftens. Ein Name
allein ift es, der genannt zu werden verdient: SchiieIs-
mann. Em in allerjüngfter Zeit viel gefehenes Plaeat, die
Schneeberg-Bahn betreffend, von Roller ift des weiteren
als gute Leiftung zu verzeichnen. Hynais, deffen Plaeat
für die flavifche Nationalausftellung in Prag ziemlich be-
kannt wurde, ift Böhme, ebenfo Orlik. Eine Affiche für

SCHHEEBERGBÄlN

BEI WIEN

Ikgnsa u&täk rta »Hodriistoj wo

Plaeat füf die Schneebergbahn von Rolla-
den Kunftlälon von Topic in Prag von Oliva ilt eine
direfte Anlehnung an Cheret zu nennen. Was die Affiche
der ungarifehen Millenniums-Feier in Bezug auf künft-
lerifehen Werth zu bedeuten hatte, kann füglich uner-
örtert bleiben.

Die Schweiz hat, ungezählte Hotel-und Bergbahn-
Affichen von meift recht zweifelhaftem Werthe ab-
gerechnet, fo gut wie nichts aufzuweiten. Das technifch
äufserft pompös ausgeführte Plaeat für die Genfer Aus-
ftellung enthielt als tiefften Gedanken eine der bekannten
Draperie-Figuren, umgeben von Zahnrädern und anderen
Mafchinentheilen u. f. w., und verdient kaum die Be-
zeichnung einer mittelmäfsigen Leiftung. Es hängt dies
offenbar wie auch anderwärts mit dem Fehlen eines aus-
fchlaggebenden Kunftlebens im Lande felbft- zulammen.
Weitaus der gröfste Theil fchweizerifcher Künfiler lebt
bekanntermafsen im Auslande.

Spanien und Italien können ohneweiters über-
gangen werden. Das Wenige, was in erfterem Lande ge-
leiftet wird, bezieht lieh auf Stiergefechte oder andere
nationale Feite; an italienifchen Placaten lind blos einige
Ausltellungs-Anzeigen von Belang.

Was in Rufsland und den feandinavifchen
Ländern in Bezug auf das vorliegende Thema geleiftet
wird, entzieht fich der Beurtheilung fo ziemlich. Es wies
bis jetzt keine gröfsere Placat-Ausftellung Proben von
dort auf. Doch ift bei der Bedeutung, die vor allem Kor-
loading ...