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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Zur Geschichte der Klosterbibliotheken Salem und Petershausen

Grundriss der Salemer Bibliothek (Erdgeschoss) aus dem Jahr 1739, aus: Cod. Sal. XI,42, fol. 7*r

Das Zisterzienserkloster Salem wurde im Jahr 1134 gegründet, als der Ritter Guntram von Adelsreute Besitzungen unweit des Bodensees und in Oberschwaben zur Errichtung einer Abtei stiftete. Schon im 12. Jahrhundert besaß das Kloster ein eigenes Skriptorium (Schreibwerkstatt), durch das im Laufe der Jahrhunderte eine der bedeutendsten deutschen Klosterbibliotheken aufgebaut wurde, die in den ältesten Teilen ihre Bestände bis in das Gründungsjahrhundert zurückreicht. Die Förderung der Bibliothek und ihres Ruhmes war über 600 Jahre hinweg ein Herzensanliegen der Salemer Äbte. Lediglich 1697 hatte ein Brand im Kloster den kontinuierlichen Aufbau der Bibliothek zeitweise unterbrochen.

Nachdem das Kloster durch die Säkularisierung zunächst an das Haus Baden gefallen war, erwarb die Universität Heidelberg 1826/27 das Gros der Salemer Bibliothek als Grundstock für den Wiederaufbau der Universitätsbibliothek, die in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts stark dezimiert worden war. Die knapp 450 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften (Codices Salemitani [Cod. Sal.]) sowie über 30.000 Drucke stammen nicht nur aus Kloster Salem, sondern auch aus der Büchersammlung des Benediktinerklosters Petershausen in Konstanz, das 1802 ebenfalls an Baden gefallen war. In der Universitätsbibliothek Heidelberg bilden diese Bestände heute neben den deutschen Handschriften der ehemaligen Bibliotheca Palatina den kostbaren Kern ihrer Altbestände.

Inhaltsverzeichnis zum „Liber scivias“ der Hildegard von Bingen, Ende 12. Jh., aus: Cod. Sal. X,16, fol. 4r

Der Kaufvertrag mit dem Haus Baden wurde Ende 1826 zum Preis von 20.000 Gulden abgeschlossen. Ihm vorausgegangen war eine kontroverse Diskussion innerhalb der Heidelberger Universität, über den Sinn der Übernahme. Der damalige Bibliotheksdirektor und Historiker Friedrich Christoph Schlosser (1776-1861) schrieb 1824: „es sey uns mehr schädlich als nützlich, […] die ganze Bibliothek zu acquirien, denn von 50.000-60.000 Bänden können wir höchstens 10.000 bis 12.000 Bände brauchen“. Die Universität beharrte aber auf dem Kauf, woraufhin Schlosser 1825 zurücktrat.

1827 wurde der überwiegende Teil der Bücher angeliefert. 1831 kamen auch die Inkunabelbestände, die zuvor in Karlsruhe verwahrt worden waren nach Heidelberg. Der Kauf weiterer Restbestände aus Salem bzw. Petershausen wurde 1839 abgelehnt.

Der ursprüngliche Umfang der Salemer Bibliothek lässt sich nicht mehr genau beziffern. In den Vertragsverhandlungen von 1826 ist von 60.000 Bänden einschließlich der Broschüren und der Petershausener Bestände die Rede. Der die Monographien und die Broschüren verzeichnende Schilteggersche Katalog (Cod. Sal. XI,27-41) listet – ohne die Inkunabeln – insgesamt ca. 23.000 Titel (ca. 7.500 Historica, 5.500 Philosophica, 4.200 Theologica, 4.800 Juridica und 1.100 Polymathia).

Das 1825 angelegte Verzeichnis Heid. Hs. 2679 verzeichnet 1.575 Inkunabeln und Drucke bis 1517. Der Katalog der Petershausener Bibliothek (Heid. Hs. 2680) führt 3.700 Titel auf, darunter 421 Inkunabeln. Zudem fanden 1829 und 1832 zwei Versteigerungen statt, bei denen ca. 4.000 Titel – vor allem Salemer Dubletten (u.a. auch Inkunabeln), zum Verkauf kamen.

Nach der Übernahme der Bestände durch die Heidelberger Bibliothekare wurde für die Monographien und die Broschüren kein provenienzspezifisches neues Sonderverzeichnis angelegt. Die Bände wurden zu großen Teilen in den übrigen Bestand eingearbeitet. Diese Exemplare sind heute im Regelfall nur noch über enthaltene Provenienzeinträge zu identifizieren. Nur ein Teil der Salemer Broschüren wurde separat aufgestellt.

Außer durch die Bestandskataloge wird der komplette Handschritenfond aus den Klöstern Salem und Petershausen durch einen alphabetischen Bandkatalog, der sich im Handschriftenlesesaal (LSH) befindet, erschlossen. Ein großer Teil der Drucke ist bereits in HEIDI recherchierbar.

Das Salemer Klosterarchiv, das als eines der umfangreichsten erhaltenen Klosterarchive Süddeutschlands gilt und bereits im Mittelalter als so vertrauenswürdig eingeschätzt wurde, dass ihm auch Reichsdokumente anvertraut wurden, befindet sich seit 1889 zum größten Teil im Generallandesarchiv Karlsruhe. Es umfasst dort etwa 8000 Urkunden, 1000 Bände mit Rechnungen, 350 Bände mit Protokollen und große Mengen weiterer Akten und Handschriften. Ein kleiner Teil des Archivs verblieb im Schloss Salem und im Pfarrarchiv der Gemeinde.