Rückert, Heinrich
Lohengrin (Bibliothek der gesammten deutschen National-Literatur von der ältesten bis auf die neuere Zeit, sechsunddreißigster Band: Lohengrin.) — Quedlinburg und Leipzig, 1858

Page: 224
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/Rueckert1858/0228
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
jLwmmmKUN&Miw.

L ALLGEMEINES.

A. LITERARISCHES.

M9er äussere Rahmen, in welchen das Gedicht von Lohengrin seinen mannig-
faltigen Inhalt spannt, um ihm formelle Einheit su geben, besteht darin, dass
es sich als eine Episode aus dem Sängerkrieg auf der Wartburg darstellt.
Wolfram, durch Klingsor über Artus Leben in dem Gebirge (Loh. Str. 24),
über Artus Helden (L. St. 2b), über den von Artus ausgesandten Kämpfer
(L. St. 26) befragt, erzählt ausführlich die Geschichte Lohengrins, auf wel-
che Klingsor, ohne den Namen des Helden derselben zu nennen, angespielt
hat. Wolfram löst auf diese Art das ihm vorgelegte Räthsel und macht die
Niederlage wieder gut, die er durch Klingsors höllischen Beistand, den Teufel
Nazarus, wie er hier im Lohengrin {V. 105) Nasyon, wie er constant in al-
len Redactionen des Wartburgkrieges heisst, erlitten hat.

Als Hauptbegebenheiten innerhalb dieser weitläufigen Digression des Sän-
gerkrieges zeigen sich l) der Kampf zwischen Klingsor und Wolfram, oder der
Theil desselben, welcher hier im Lohengrin theilweise Aufnahme gefunden hat,
2) die Sendung Lohengrins durch den Gral, um Else von Brabant gegen ihren
Bedränger beizustehen. 3) die Thaten, welche Lohengrin, unabhängig von die-
ser seiner eigentlichen Mission, vollführt. Diese selbst gliedern sich wieder in
zwei Hauptmassen, erstens in seinen Antheil an der Besiegung der Ungarn
durch den Kaiser Heinrich, zweitens in seinen Antheil an der Besiegung der Sa-
razenen durch denselben Kaiser. 4) die Katastrophe, welche Lohengrin zur Rück-
kehr nach seiner eigentlichen Heimat, dem Graie, zwingt. 5) die weitere Ge-
schichte jenes Kaisers Heinrich, dem Lohengrin, so lange er in der Welt der

gewöhnlichen Menschen weilen durfte, stets ein so treuer Helfer war, und die
Geschichte der Nachkommen dieses Kaisers bis zu seinem letzten Nachkommen
aus dem Mannsstamme, einem andern Kaiser Heinrieh, dem Beier, wie ihn

der Dichter des Lohengrin besonders V. 7622 mit Nachdruck und Absicht,

falls eine weiter unten auszuführende Vermuthung begründet ist, nennt.

Der Dichter des Lohengrin selbst betrachtet alles, was wir unter 2 —■ 4

gestellt haben, als eigentlichen Inhalt der von ihm gegebenen Erzählung^ wie

aus V. 7621, 22 deutlich hervorgeht:
loading ...