Rückert, Heinrich
Lohengrin (Bibliothek der gesammten deutschen National-Literatur von der ältesten bis auf die neuere Zeit, sechsunddreißigster Band: Lohengrin.) — Quedlinburg und Leipzig, 1858

Page: 204
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Xrit dieser Ausgabe des Lohengrin sind folgende Hülfsmittel benutzt worden:

1) Die beiden Heidelberger Hds. N. 364 u. 345, hier als A u. B bezeichnet.
A die bekannte Pergamenthdschft., welche von Fol. 1—-111 den Parzwal

hat, giebt von derselben Hand den Lohengrin von Fol. 113 —151. B eine Pa-
pierhds., wird ganz durch den von einer Hand geschriebenen Lohengrin ausge-
füllt.

2) Zwei Fragmente, die zu einer Pergamenthdft. gehörten, das erste, V.
4541—4694, das zweite V. 4848 — 5157 dieser Ausgabe enthalten. Beide hier
nach ihrem Fundort Coblenz C. Fr. bezeichnet.

Da A und B die einzigen Hds. sind, welche den Lohengrin vollständig
enthalten, so ist ein genaueres Eingehen auf ihre Eigenthümlichkeiten und
ihre Bedeutung für die Textesüberlieferung hier nothwendig.

Beide Hds. haben, wie die Vergleichung der Lesarten ausweist, eine
Menge von Fehlern aller Art mit einander gemein, die nur durch ihre Ab-
stämmling aus einer Quelle, die nicht die ursprüngliche Niederschrift des Ge-
dichtes gewesen sein kann, zu erklären sind. Daneben hat jede der beiden
Hds. so viel Eigentümliches, dass die Forstellung auszuschliessert ist, als sei
eine unmittelbar oder mittelbar aus der anderen geflossen. Wenn an eine
directe Abhängigkeit der einen von der andern zu denken wäre, so würde B
von A abzuleiten sein, denn B trägt die unzweifelhaften Kennzeichen einer
Hds. von Ende des XJV. bis Anfang des XV. Jahrh., während A ebenso un-
zweifelhaft vor die Mitte des XIV. Jahrh. gehört.

Die gemeinsame Quelle für A und B, die somit anzunehmen ist, hat den
ursprünglichen Text des Lohengrin schon in sehr entstellter Gestalt enthal-
ten. Doch bezieht sich diese Veränderung, die der Text bis zu ihr, wie wei-
ter herab, bis zu seiner jetzigen Niedersetzung in A und B erlitten hat, zu-
nächst mehr auf äusserliche und relativ unwesentliche Dinge, auf die Ortho-
graphie, auf die Verdrängung mancher ursprünglichere?! grammatikalischen
Formen durch spätere, dann auf einzelne verderbte Lesarten, wo die Nach- \
lässigkeit oder auch die Unkenntniss der Schreiber das echte verwischt öden
vernichtet hat. Eine eigentliche Durch- und Umarbeitung des ursprünglichen
Textes, oder auch nur eine durchgreifende Veränderung seiner .äusseren An-
ordnung durch spätere Zusätze, Auslassungen oder Umstellungen hat in der
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