Thiel, Viktor
Papiererzeugung und Papierhandel vornehmlich in den deutschen Landen von den ältesten Zeiten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. — 1932

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Papiererzeugung und Papierhandel. 109

Papierer, durch Einführung der Wasserzeichen das Vertrauen zum Papier
gehoben und hiemit seine Wertschätzung gegenüber dem Pergament ge-
festigt zu haben. Da weder die ostasiatische, noch die arabische Papier-
erzeugung das Wasserzeichen kennt, ist es charakteristisch für das euro-
päische Papier geworden.

Thomas Francis Carter6) hat in seinem 1925 von der Colum-
bia University-Press ausgegebenen Werke über die Erfindung der Druck-
kunst in zwei Abschnitten den Werdegang des Papiers geschildert und
auf einer beigegebenen Karte seinen Siegeszug von China nach dem
Westen veranschaulicht. Die Karte wurde übernommen von K. Th. Weiß7)
in seinem Aufsatz über Papiergeschichte und Wasserzeichenkunde8); aus
dieser Arbeit wieder von Bogeng in dem ersten Band seiner großange-
legten Geschichte der Buchdruckerkunst9).

II. Papiererzeugung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts10).

Als die älteste Papierhandschrift Deutschlands gilt ein Register,
das, 1246 in Lyon angelegt, sich im Nachlasse des berühmten Pas-
sauer Domdechanten Albert Beheim (f 1260) befand11). Es besteht aus
italienischem Papier. Spätestens am Ende des 13. Jahrhunderts
wurde Papier in der Schweiz bekannt und gebraucht12). Die Tiroler
Landesfürsten verwendeten für ihre Rechnungsbücher, die mit dem zweit-
letzten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts beginnen,durchwegs Papier;auch
die zahlreich erhaltenen Zahlungsanweisungen, winzig kleinen For-

6) The invention of Printing in China and its Spreard westward. New York,
Columbia University-Press 1925.

7) Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik, 63. Jahrgang, 1926, Hett 4-

8) Rechtsanwalt Dr. Weiß hat in Mönchweiler bei Villingen im Schwarzwalde
eine papiergeschichtliche Sammlung eingerichtet, die rund 80 000 Wasserzeichen
in Originalblättern und Durchzeichnungen enthält; in einem Zettelkatalog hat
Weiß Nachrichten über mehr als 6000 deutsche Papiermachergeschlechter und rund
2000 deutsche Papiermühlen verarbeitet. Es wäre sehr verdienstvoll, die reich-
haltige Sammlung zur vollen Auswertung zu bringen, wie es die von Armin Ren-
ke r in Zerkall b. Düren soeben versandte Denkschrift „Dr. K. Th. Weiss und seine
Sammlung" anstrebt.

9) Hellerau bei Dresden. 1930. Einige Richtigstellungen gibt Klemens Löf f-
lers Referat im Zentralblatt für Bibliothekswesen, 47. Jahrg. 1930.

10) Um über die Anfänge der Papierverwendung und Papiererzeugung in
Deutschland volle Klarheit zu gewinnen, wäre eine planmäßige Durchforschung der
Papierbestände der deutschen Archive und Bibliotheken notwendig. (Die Mängel,
welche das großzügige Werk Briquets aufweist, hat bereits K. Th. Weiß, Pa-
piergeschichte und Wasserzeichenkunde, im Archiv für Buchgewerbe und Ge-
brauchsgraphik 63, 300 f., eingehend hervorgehoben.) Es wäre eine Kartothek
von Faksimiles der Wasserzeichen anzulegen, ferner ein Kataster aller deutschen
Papiererzeugungsbetriebe.

u) Cod. lat. 2574/1 der Münchner Staatsbibliothek (Friedrich Keinz, Die
Wasserzeichen des 14. Jahrhunderts in Handschriften der bayr. Hof- und Staats-
bibliothek, in: Abhandlungen d. bayr. Akad. d. Wissensch. phil.-hist. Kl. XX, 483).
— Chroust, Monumenta palaeographica, Tafel 7.

12) Briquet, Notices historiques sur les plus anciennes papeteries suisses.
(L'Union de la papeterie. Lausanne 1883 Nr. 8, 12; 1884 Nr. 1—7, 9, 10, 12; 1885
Nr. 2—7.)
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