Allgemeine theologische Bibliothek — 6.1776 [VD18 90309928]

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224 Ernesti Osterprogramma

zu seyn. Wenn man den Ausdruck allgemein macht,
so heißt Sünde tragen überhaupt: beschwerliche
Folgen, die von der Sünde herrühren, ausstchen;
diese Folgen mögen alödenn nach Beschaffenheit des
Subjekts die Natur einer Strafe an sich haben,
oder nicht. Wenn nemlich von einem gesagt wrrd,
er trage seine eigene Sünde, so haben diczcnigen
üblen Folgen, die die begangene Sünde verursacht,
die Beschaffenheit der Strafe; sie sind ein Straf-
übel und also heißt in diesem Fall, sinne Sünde
tragen: um dersilbigen willen Strafe leiden. In
dieser Bedeutung kommt diese Redensart oft vor.
Z. E. Z B. M. 2o, 17. io. Wenn aber das Sub-
jekt, das sündiget, und das Subjekt, von dem ge-
sagt wird, daß cs diese Sünde trage, nicht einer-
lei) ist; oder wenn cs heißt: einer trage des andern
Sünde: so ist auch die Bedeutung anders zu be-
stimmen. Denn das Subjekt hat doch einen Ein-
stuß in die Bedeutung des Prädikats. Eben die
Stelle, die Hr. E. für sich anführct: Ezech. 18»
Bestätiget unfern Satz, besonders wenn man auf
den ganzen Vortrag des Propheten in diesem Capi-
tel, und nicht nur auf den aoten Vers allein sic-
het. Gott verweißt daselbst den Israeliten durch
den Propheten, daß sie dieser Redensart eines an-
dern Sünde tragen, in einem falschen und irrigen
Ver-
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