Allgemeine theologische Bibliothek — 13.1779 [VD18 90309928]

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zum heilsamen Verstand der Bibel. HL
keine Nachricht vorhanden? Betet David, sey
mir gnädig um des Versöhners willen, oder sagt
er nicht vielmehr, sey mir gnädig nach deiner
Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen
Barmherzigkeit? Es sey ferne, hierdurch die
Lehre von der Versöhnung bestreiten zu wollen,
aber das Ungegründete in der Behauptung des
Verfassers mußten wir doch zeigen. Wie wenn
nun ein Mensch sich Gott als das gütigste Wesen
vorstellt, das zugleich weiß, daß auch moralische
Unvollkommenheit von der Eingeschränktheit in
dem Maaß, als sie bey dem Menschen ist, nicht
zu trennen sey, das also keine höchste moralische
Vollkommenheit von einem Geschöpf verlangen
kann, bey dem dieselbe unmöglich ist, das die Hin-
dernisse der Tugend und den angestammten Hang
zum Laster eben so genau kennt, als die redliche
Bemühung, ihm entgegen zu arbeiten, in dessen
Hand Nebel nichts als Besserungsmittel sind, der
sie unmöglich zur moralischen Verschlimmerung
eines Geschöpfs anwenden, noch dieselbe wollen
kann, der kein Geschöpf zum unendlichen Unglück
erschaffen haben kann; sollte ein solcher Mensch,
der sich Gott so vorstellt, ihn nicht lieben können,
ungeachtet er sich seiner moralischen Mängel be-
wußt ist? Den Satz, daß nicht Iederman ohne
Unterschied die Bibel lesen müsse, erläutert der
H 2 Verf.
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