Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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0. Rubensohn

Dies Schicksal scheint Paros aber mit der Mehrzahl der Kykladen
geteilt zu haben. Kretischer Einfluß ist außer auf Melos und Thera und
ganz spärlich auf Amorgos auf keiner der Kykladen und den benach-
barten Inseln bisher nachweisbar. Von einer so sorgfältig durchforschten
Insel wie Delos können wir es mit Bestimmtheit sagen, daß seit
dem Erlöschen der Kykladenkultur bis zur spätmykenischen Epoche
so gut wie kein Leben auf ihr geherrscht hat. Auf der einen
oder anderen Insel mag durch weitere Ausgrabungen dieses Resultat
eine Änderung erfahren, auf Paros sind dafür nachTsuntas' und unseren
Grabungen wenig Aussichten vorhanden. Als ein weiteres Argument
kommt noch hinzu, daß während der ganzen, so in Dunkel gehüllten
Epoche von einer Verarbeitung des in der Zeit der Kykladenkultur so
vielfach verwendeten Marmors sich auch nicht die geringste Spur inner-
halb wie außerhalb Paros' ausfindig machen läßt. Wir haben uns mit der
Tatsache abzufinden, daß auf eine verhältnismäßige Blüte der Insel im
ersten Viertel des zweiten Jahrtausends ein starker Niedergang gefolgt
ist, eine Epoche, über die sich wohl nur geringe Bruchteile der Bevölkerung
an abgelegenen Punkten, vielleicht nur im Innern der Insel hinübergerettet
liabeiP). Das läßt den Schluß zu, daß der Abbruch der Entwicklung auf
der Burg von Paros ein gewaltsamer gewesen ist wie der von Phylakopi 1.
Ob der Untergang beider Siedelungen in irgend welchem Zusammenhang
miteinander gestanden hat,- können wir nicht mehr ermessen. Bemerkens-
wert aber scheint es zu sein, daß der Abbruch der Beziehungen zwischen
Paros und Melos zeitlich zusammenfällt mit dem Einsetzen des kretischen
Einflusses in Phylakopi.
gefunden. Auch in der Ornamentik zeigt die Schachtgräber-Mattmaierei gegenüber
Paros einen entwickeiteren Standpunkt, wenn sich auch noch das eine oder andere
rein geometrische Motiv in ihr erhaiten hat. Noch deutticher ist das gegen-
seitige Verhäitnis bei der Weißmaierei: Der schwarze Untergrund überwiegt
in den Schachtgräbern und in der Ornamentik sind Spiraien und andere freie
Motive die herrschenden. Aiso deutiich eine jüngere Stufe.
i) Eine ähniiche Verödungsepoche hat die Insei noch einmai durch-
gemacht und zwar im 9. Jahrh. n. Chr., wie aus der Lebensbeschreibung
der H. Theoktiste (vgi. Athen. Mitt. XXVI 1901, S. 161 und bes. jetzt
Btihimann, Die Entstehung der Kreuzkuppelkirche, Heideiberg 1914 S. 53ff.)
hervorgeht. Die Dauer dieser Verödungsperiode ist nicht bestimmbar, sie
war aber iang genug, um jede Überiieferung über die Entstehung der großen
Kathedraikirche und überhaupt über die äitere Geschichte von Paros unter-
gehen zu iassen.
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