Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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Die monumentaie Architektur der Chatti von Boghaz-köi

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schmale Pfeiler mit den Leibungen auftreten; es ist ein in oder an die
Türme gesetztes Zimmer, das ja in ganz Mesopotamien und Nordsyrien
breitstirnigist (s. S. 141); bei Häusern wird einfach ein Zimmer als Ein-
gangsraum genommen: z. B. Abb./4u. 15 oder Mitt. Deutsch. Orient-Ges.
XXXI, 41 ff.; bei Palästen: z. B. dem des Sargon Abb. 4, des Nebukad-
nezar, Koldewey a. a. 0. 72 Abb. 46 und Tempeln, a. a. 0. 56 Abb. 38,
unterscheidet ihn nur die äußere Tür in der Raumform von den übrigen
Zimmern.
Die Tore von Sendschirli entsprechen völlig dem 2. mesopotamischen
Typus (Abb. 9, vgl. Sendschirli Tat. X—XII und XIV) bis auf das äußere
Burgtor (Tat. XI11 122 ff.), bei dem die Torkammer ebenfalls nicht wie in
Boghaz-köi in das Turmmassiv einschneidet; aber sie ist trotzdem ein
ausgesprochener Breitraum, indem sich die Breite zur Tiefe wie 2,2 :1
verhält, während in Boghaz-köi das Verhältnis 1 :1,2—1,3 ist, so daß hier
ein Langraum vorliegt. Bei den Gebäuden überwiegt die Breite wieder
die Tiefe, aber nie so beträchtlich wie in Sendschirli, und zwar läßt sich eine
wachsende Reihe aufstellen, indem das Verhältnis bei 1 mit 1,26 :1 dem
Langraum der Tore am nächsten steht, dann IV mit 1,36 :1 kommt,
11 mit 1,4 :1; Hl mit 1,5 :1. Dieselbe Beobachtung läßt sich auch an
den Zimmern machen (s. S. 153). Koldewey hält das Burgtor für jünger als
die Stadttore (Sendschirli 174); vielleicht liegt Beeinflußung von Bo-
ghaz-köi vor.
Während die mesopotamischen und hethitischen Tore eine bedeckte
Torkammer haben, ist das ägyptische Tor entweder eine einfache Mauer-
öffnung oder hat einen Torhof, aber von wechselnder und unregelmäßiger
Gestalt, bei dem die Durchgänge außerdem nicht auf derselben Achse
liegen: z. B. Schünet-ez-zebib bei Hölscher, das Hohe Tor von Medinet
Habu, 12. Veröffl. d. Deutsch. Orient-Ges. 58 f. Dieses selbst steht unter
syrischem Einfluß, wie Hölscher darlegf).
Die Unterschiede vom kretischen und mykenischen Tortypus wurden
schon besprochen; zu erwähnen ist noch, daß die Tore auf der Insel Gla^)
eine Torkammer haben; sie ist aber unbedeckt und liegt hinter den Türmen,
nicht zwischen ihnen. Ganz allein steht aber der Typus von Boghaz-köi
doch nicht, und zwar findet sich die nächste Analogie in den Toren der
B Vgl. auch Masp6ro, Archeologie ^gyptienne 1907, 26 ff.
2) Noack, Ath. Mitt. XiX 1894, 429 ff. Ahb. 3—6.
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