Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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Valentin K. Müiier

Die Analogien fehlen wieder in Mesopotamien: hier gibt es Vor-
hallen überhaupt nicht, und Korridore liegen nicht am Hof, sondern
außen hinter den Zimmern, sind Überlebsei eines zu postulierenden Um-
gangs zwischen Umfassungsmauer und Zimmern (vgl. Abb. 5 u. 16). Eine
andere Art Korridore hat Nebukadnezars Palast in Babylon*), bei dem
sie senkrecht vom Hof abgehen und seitlich aufgereiht nun nicht Zimmer,
sondern die kleineren Hofsysteme haben.
Dagegen finden sich wieder im kretisch-mykenischen Bereich die
nächsten Parallelen: in Phaistos (Abb. 3) führt an der Ostseite des Zentral-
hofes ein Gang (65) entlang, der sich abwechselnd mit Pfeilern und Säulen
auf ihn öffnet Ü. Dem geschlossenen Korridor von 1 entspricht ganz und
gar der von Gla-Arne^), der ebenfalls geschlossen ist und unmittelbar am
Hof entlangläuft, also auch als Hauptzweck nicht die Verbindung über-
haupt, sondern die gedeckte Verbindung hat. Auch die kretischen
Peristylhöfe dienen zur 'Gewinnung gedeckter Passagen und Verbin-
dungsgänge'Ü, und auch in Tiryns (Abb. 8) führen durch die Säulen-
hallen der Höfe Verbindungswege. Nur die Säule ist in Boghaz-köi nicht
mit übernommen worden.
Aber diesmal findet sich auch in Ägypten ähnliches. Einmal die Vor-
halle, die bei den Häusern typisch ist (s. S. 113), und gelegentlich, z. B.
in Kahun (Abb. 12), wird sie auch als gedeckter Verbindungsgang benutzt,
aber nur gelegentlich, und vor allem ist die Vorhalle das Primäre, nicht der
Korridor wie in Boghaz-köi. Ferner die Hallen an den Hofseiten, z. B.
im Totentempel des Chephren, die auch aus Pfeilern bestehen und wie in
faüs ich seine kurze Bemerkung überhaupt richtig auf Boghaz-köi — er sagt nur
Hethiter — beziehe. Seine zitierte Schrift: Bericht ü. e. Reise in Syrien kann ich
weder auf den Bibiiotheken in Berlin noch im Buchhandei erhaiten; vgi. jetzt
auch Z. f. Ethn. L 1918, 40 f. und unten S. 149.
') Koidewey, Tempei v. Babyion u. Borsippa 14. Haus in Fara: Mitt.
Or.-Ges. XXVHi, 6. Abb. 2. Ninmachtempei, Z und Epatutiia in Babyion:
Koidewey, Tempei Taf. Hl, V, VH u. Babyion, 56, Abb. 38; 220 Abb. 137; 224
Abb. 142. Nebukadnezars Paiast: 66 f. Abb. 44.
Ü Annuario d. Sc. arch. di Atene I 1914, 363; wahrscheiniich auch im
Süden, Mon. ant. XH 1902, 59f. Schon frühminoisch kommen Korridore vor:
Mackenzie, B. S. A. XIV 372.
3) B. C. H. XVH1 1894, Taf. XI; Noack, Horn. Pai. 19Abb. 9; Pfuhi,
a. a. O. 193 Abb. 4; gegen Noacks Identifikation neuerdings wieder Gomme in
den Essays and studies presented to W. Ridgeway, Cambridge 1913, 116 ff.
*) Noack, Ovaihaus 16.
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