Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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Valentin K. Müller

und Uschpia, die im III. Jahrtausend Stadtmauer und Assurtempel erbaut
haben, Mitanninamen sind, also der älteren hethitischen Schicht an-
gehören, hat neuerdings gradezu den Satz aufgestellt: was in Assur nicht
babylonisch ist, ist hethitischQ. Danach ist der Langraum in Assur ent-
weder auch als hethitischer Import anzusehen, wir müssen sein Vorkommen
bei den Hethitern also schon früher als Boghaz-köi setzen, oder es ist eine
gemeinsame Quelle anzunehmen. Diese kann aber nur der nordische Lang-
raum sein, der ja um diese Zeit in Troja und Thessalien^) auftaucht; die
paphlagonischen, armenischen Q, medischen Beispiele und das Kyrosgrab
gehören freilich erst dem I. Jahrtausend an, aber Herzfeld macht mit
Recht darauf aufmerksam, daß letzteres in der Steilheit des Giebels eine
primitive Form bewahrt, und der Typus in antis der Felsgräber wird durch
Thessalien gleichfalls als alt erwiesen Q. Diesen isolierten Langraum
mit Giebel von dem Langraum des Hofhauses in Assur und Boghaz-köi
abzuleiten ist aber ganz unmöglich, vielmehr ist er als fremder Import
mit dem Hoftypus verbunden worden.
Dabei ist dann auch hier der Giebel durch ein flaches Dach ersetzt
worden (s. Abb. 26, die Puchsteins Rekonstruktion gibt nach P. 95).
Die Vorhalle war bei dem zugrunde liegenden Vorbild entweder gar nicht
vorhanden oder sie ist auch verloren gegangen, indem in Assur die übliche
breitgelegte Vorcella (s. Abb. 5) an ihre Stelle trat; in Boghaz-köi erforderte
ein besonderes Zeremoniell (s. S. 150ff.) die Knickung des Zugangs und
damit Schließung der Tür in der Vorderwand und Verlegung in die Ecke
der Seitenwand. Einen Ersatz hat sie in dem Hallenflur bekommen,
der hier die Funktion einer Vorhalle miterfüllt, aber mit dem Hauptsaal
nicht in der integrierenden Verbindung steht wie beim mykenischen Me-

*) Vgl. Ed. Meyer, Reich u. Kultur d. Chetiter 35, 51, 62ft., 65, 95;
Weber bei Kuudtzon, DieEl-Amarnatafeln 11 1070 f., 1087; sein Vortrag ist ge-
halten in der Vorderasiat. Ges. in Berlin am 7. 2. 1918.
h Vgl. die Datierung bei Wace-Thompson, Prehistoric Thessaly 235 ff.
3) Es ist der auf einem assyrischen Relief wiedergegebene Tempel der
Urartu, dessen Zugehörigkeit zum Megarontypus Hirschfeld erkannt hat: Abh.
d. preuß. Akad. 1885, 36 Anm.;Perrot-Chipiez 11 410, Abb. 190; Leroux,
a. a. 0. 171 ff.
b Vgl. die Bemerkung von Schuchhardt, Präh. Z. 1 1909, 236, der her-
vorhebt, daß ein Typus älter sein kann als das grade zufällig aufgedeckte
Exemplar.
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