Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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Die monumentaie Architektur der Chatti von Boghaz-köi 151

Einblick von Unberufenen in das Innere zu verhindern, sie liegt aber auf
dem Wege von der Straße in den Hof, hier in Boghaz-köi dagegen zwischen
Hof und Hauptsaal, daher scheint hier ein spezieller Fall vorzuliegen,
der seine besondere Erklärung fordert. Dazu kommt die weitere Besonder-
heit, daß der Hauptsaal nicht durch eine Tür abgeschlossen war, da keine
Anschlagspuren wie bei den übrigen Türen vorhanden sind (P. 105 bei
Gebäude 1 und 143 bei IH); Puchstein nimmt daher Verschluß durch
einen Teppich an.
Im Folgenden möchte ich eine Reihe von Monumenten zusammen-
stellen, die einen ähnlichen Eingangstypus haben, aber zeitlich wie ört-
lich weit auseinander liegen, sodaß ihr Zusammenhang durch neue Funde
noch bewiesen oder modifiziert werden wird. Bei den ägyptischen Pa-
lästen befindet sich in der Mitte der Hofseite des Audienzsaales keine Tür,
sondern das Audienzfenster, von dem aus der Pharao, wie das bekannte
Relief Amenophis' IV. zeigte, seine Orden und Auszeichnungen verteilt,
und zwei Türen führen symmetrisch davon rechts und links zunächst in
einen kleineren Vorraum und von hier in den Audienzsaal, wieder mit
einer Wendung um 90°: Palast Amenophis' IV. in Medinet Habu bei
Hölscher, Das Hohe Tor von M. H., 12. Veröffl. d. Deutsch. Orient.-Ges. 53
Abb. 49; Ramses' 111. in Medinet Habu, Borchardt, Klio XV 1918, 180
Abb. 1; ebenda 182 Abb. 3 Palast Ramses' H.
Vielleicht gehört in weiteren Zusammenhang hiermit auch der
Kultbau auf dem Fresko aus Knossos, denn wie strittig die Inter-
pretation im einzelnen auch sein mag, so ist doch so viel sicher, daß der
Mittelbau durch zwei Quaderschichten und den kretischen Rosettenfries
darüber als über die Seitenbauten erhöht dargestellt ist^), sodaß der
Zugang also nicht von vorn geschehen kann. Ist freilich Evans' Rekon-
struktion einer solchen Kapelle in Knossos richtig, so ist er auch nicht
bei den Seitenbauten von vorn — dann durch eine Wendung um 90° und
vermittelst einer Treppe zum Mittelschiff — möglich, da dazu die Säulen
der Seitenbauten zu dicht stehen.
0 Curtius, a. a. O. Abb. 123; Schäfer, Amt!. Ber. a. d. preuß. Staats-
sammi. XL, Dez. 1918, 41 ff.
0 J. H. S. XX! 1901, Taf. V; Noack, Horn. Pa!. 77 ff. Baukunst d.
Attertums Taf. 12;Dussaud, Civiiis. preheüp 334ff. Abb. 242f.; Journa! of the
R. InstituteofBrit.Architects XVH! 1911, 289ff. Abb. l;Bu!ie, Orchomenos77.
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