Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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Die monumentale Architektur der Chatti von Boghaz-köi

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gelegentliche Übereinstimmung findet in Kreta und auf den Kykladen
statt; näher, aber unsicher, ist die mit einer Hausurne in Thrakien.
Mit Sendschirli wurde Übereinstimmung in der Dekoration der Ein-
gänge mit Löwen und in der Bautechnik festgestellt; in dieser aber auch
mit Troja, Griechenland und betreffs der Orthostaten mit Kreta. Der
Hallenflur und die Magazine finden sich auch in Palästina. Die hier
bis jetzt aufgedeckten Häuser haben eine zu geringe Zimmerzahl, als
daß sie recht mit Boghaz-köi verglichen werden könnten, gehören auch
dem injunktiven Typus an, immerhin nähern sie sich darin, worin
sie sich vom mesopotamischen unterscheiden, der lockeren Gruppierung
der Zimmer, dem von Boghaz-köi; auch die exzentrische Lage des Hofes
(Abb. 13) findet eine gewisse Analogie in Gebäude IV (Abb. 17).
Auf Ähnlichkeiten im Befestigungswesen hat Thiersch hingewiesen (Zeitsch.
deutsch. Pal. Ver. XXXVIH 1914, 83f.), wie andererseits auch die Bezie-
hungen Palästinas zum Mittelmeergebiet schon in früher Zeit immer deut-
licher werden, vgl. den Aufsatz Mackenzies im Quart. Stat. des Pal.
Expl. F. 1913, 66 (die Hauptpublikation im Annual 1 des P. E. F. ist mir
nicht zugänglich) über megalithische Burgen und oben S. 136. Beachtens-
wert ist aber, daß in Nordsyrien der vollkommen andersartige Hilani-
haustypus herrscht.
Ähnlichkeit mit dem babylonischen Haustypus besteht in der Orna-
mentierung der Mauern mit Pilastern, ln Assur finden sich auch der lang-
räumige Zimmertypus und die Steinunterlage für den Maueraufbau; dies
sind aber Elemente, die es nicht mit Babylonien, sondern mit dem Westen
verbinden, von wo es ja auch die SäuleQ und später das Hilani über-
nommen hat. Eine Beeinflussung durch Boghaz-köi ließ sich in der
Knickung des Zugangs durch Vorzimmer bei dem Anu-Adadtempel
erkennen. Ob daher Puchsteins Rekonstruktion des Daches mit den
mesopotamischen Treppenzinnen Ü (Abb. 25) richtig ist, scheint mir
fraglich; eher hat man vielleicht eine einheimisch kleinasiatische Gesims-
form anzunehmen, die dann nach den lykischen Gebäuden zu rekon-
struieren wäre, mit Architrav und vielleicht sichtbaren Balkenköpfen,
wodurch sich wieder nähere Übereinstimmung mit Kreta und Troja-
9 Arch. Anz. 1913, 79.
9 Perrot-Chipiez II 263 ff.; Billerbeck, Festungsbau im alten Orient,
D. Aite Orient I Heft 4, 10.
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