Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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Die monumentale Architektur der Chatti von Boghaz-köi

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An die Korridore, den zackigen Umriß und die Unregeimäßigkeit der
Pfeilerabstände (P. 141,150) ist zu erinnern. Besonders die Pfeiler der
Hallenflure ergeben gegenüber den einfachen mesopotamischen Wänden
eine größere Bewegung. Die Zimmer haben eine größere Geschlossenheit als
die kretischen Pfeilersäle, dadurch aber, daß sie außer der Tür noch
Fenster haben, die nun nicht nach dem Hof, sondern nach außen gehen,
wird wieder die mesopotamische Abgeschlossenheit nicht erreicht. Auch
eine größere Kompaktheit und Massigkeit gegenüber Kreta wird deutlich,
besonders in dem ausschließlichen Vorhandensein von Pfeilern anstelle der
Säulen. Wie geographisch, so liegt also auch typologisch Boghaz-köi
in der Mitte der Linie, die von Osten nach Westen, vom Einfachen, Ruhigen,
Geschlossenen zum Komplizierten, Bewegten, Offenen fortschreitet.
Anschließend hieran ist nun noch die Frage zu erörtern, ob einer
der Typen, also konjunktiver Hoftypus oder Einzellanghaus und Ring-
anlage, sich als alteinheimisch und damit das hintere Kleinasien als Ur-
sprungsland, von dem aus sie sich verbreitet hätten, nachweisen läßt.
Zunächst ist dagegen zu sagen, daß Boghaz-köi selbst das allerjüngste
Beispiel ist; immerhin könnten wir uns zur Annahme von Vorstufen bei der
noch in den Anfängen steckenden Erforschung Kleinasiens berechtigt
fühlen, falls zwingende Wahrscheinlichkeitsgründe dafür sprächen. Diese
liegen aber eher ungünstig; denn da sich sowohl in Mesopotamien wie in
Nordsyrien und im Norden, also an drei Seiten, ein anderer Typus findet,
scheint mir einerseits die Basis für die Ausbildung und Ausbreitung zu
schmal, andrerseits wäre es unverständlich, daß die Hethiter in Nordsyrien
einen anderen Typus, das isolierte Hilani, so lange festgehalten hätten
und erst ganz spär zum Hoftypus übergegangen wären. Damit gewinnt
die Ansicht Schuchhardts^) an Wahrscheinlichkeit, daß der Typus aus
dem Mittelmeergebiet stamme, und zwar läßt sich für die Herkunft aus
dem westlichen Teil anführen, daß im östlichen neben dem Hoftypus auch
noch der Zimmerblocktypus z. B. in Therasia und Melos (s. S. 112)
vorkommt, dieser also dann wohl der alteinheimische sein dürfte. Die An-

Pian und 25 Abb. 10) oder die Häuser von Paiaikastro (B. S. A. VIII 310 Abb. 23)
oder selbst Tylissos (Dpz'. 1912, 198; Ausonia VIII 1915, Tat. III), wo
trotz des regelmäßigen Umrisses eine ganz unregelmäßige Inneneinteilung
herrscht.
*) a. a. O. 302.
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