Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 43.1918

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Geometrische Stiie in Griecheniand

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dies Motiv in der Kykladenkultur immer eine Rolle gespielt, ist von dort
in den spätmykenischen Stil eingedrungen und hat diesen im Osten
und Westen lange überlebt. Vollkommen in protogeometrischer Tra-
dition steht ein Krateriskos des Bonner Akademischen Kunstmuse-
ums, das älteste geometrische Gefäß, welches noch in der gleichen
monumentalen Weise, wie im Mykenischen die rollenden Spiralen
aufgemalt sind, die tangentenverbundenen Kreise trägt, noch nicht
gebändigt durch die gleichmachende Ordnung des Umlaufstils ^).
Grab 15 war ausgeraubt, das nächstälteste ist für uns Grab 10.
Aus seinen Beigaben läßt sich völlig der Inhalt des ältesten, noch früh-
geometrischen Gefäßgrabes in Tiryns, des Grabes 19, herausschälen. Da
ist die hohe Deckelpyxis mit den Schnurösenhenkeln Beil. VI11 1, das
niedrige und flache Kleeblattkännchen Beil. XIX 7, größtenteils ge-
firnist und mit gegitterten Schulterdreiecken, die ganz gefirniste, unter-
setzte Kanne mit niedrigem Hals und glatter Mündung Beil. XV 1,
alles ganz wie in Tiryns. Die Pyxis ist aus theraeischem Ton gearbeitet,
aber noch in nichts unterscheidet sich die Dekoration von dem früh-
geometrischen Stil, wie er in Attika, der Argolis, den Kykladen und Kreta
ziemlich ohne Unterschied zu beobachten war. Einfache Streifen mit
Zahnradkranz, Mäander und Punktreihe umziehen die Schulter.
Aus Grab 12, das also jedenfalls jünger als die beiden vorigen ist, Grab m
stammt dieAbb. 12 abgebildete halslose Amphora (A 43, S. 106, Beil.VII1),
Sie ist das typologisch älteste Denkmal des theraeischen Stiles. Ein
rechteckiges Feld zwischen den beiden Henkeln wie in der Frühzeit auf
Kreta oder etwa bei den Akropolisnäpten ist in drei wagerechte Streifen
geteilt, die mit Zickzack, Mäander und aufrechtstehenden Dreiecken
gefüllt sind. Der breiteste, mittlere Streifen ist jedoch an beiden Enden
durch eine aufrecht stehende Metope eingeengt. Wir haben oben diese
Bildung schon an einem Napf aus Adhromyloi angetroffen (S. 59), wo
vermag ich nicht anzunehmen, da wir für diese Gattung eine enger begrenzende
Bezeichnung brauchen.
i) BSA. XI 1904/5, 271 Fig. 5; AM. XXXVIII 1913, Tat. VII 2. 6—8;
VIII 1; Myk. Vas. Tat. XXXIII 173 (Mattmalerei); Phylakopi Tat. XXXI
15 u. 20; Lölling, Kuppelgrab von Menidi, Tat. VI 15; BCH. II 1878 Taf.
XIII 1; Gezer III Taf. CLXVII 17 (third semitic); Tiryns I 154 Abb. 17.
Vgl. auch hier S. 63.
h BSA. VI 1899/1900, 83 Fig. 25 (Krtossos Grab 3); Arch. jahrb. XIV
1899, 38 Fig. 20; Poulsen, a. a. 0. Taf. I.
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