Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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ARCHAISCHE GRIECHISCHE VASENMALEREI
UND PLASTIK.
(Hierzu Taf. I—Vt.)

Es ist uns nicht so viei von der archaischen griechischen Kunst er-
halten, daß wir die ganze Entwicklung klar übersehen, ln der Plastik
eine große Reihe von Fragmenten, die an allen Orten der griechischen
Welt, meist ohne genaue äußere Anhaltspunkte für die Zeit ihrer Ent-
stehung gefunden, der stilistischen Interpretation ein weites Feld der Be-
tätigung zuweisen. Allein man kann sich nicht verhehlen, daß das Bild,
das wir aus der stilistischen Untersuchung der archaischen griechischen
Plastik gewonnen haben, sehr schwankend ist.
Ganz anders die Vasenmalerei. Hier läßt sich durch die größere
Vollständigkeit des erhaltenen Materials und die Inschriften eine fest-
stehende, durchlaufende Entwicklung gewinnen, in der wir oft die Ge-
schichte des einzelnen Meisters ebenso übersehen, wie den Lauf der Stil-
bildung im allgemeinen. Dafür fehlt uns aber in der archaischen griechi-
schen Malerei, abgesehen von den Metopen von Thermos und einigen
Tonplatten, jedes Werk der großen Kunst; und wenn uns auch die Klein-
kunst im ganzen ein getreues Bild der stilistischen Entwicklung bietet,
so wird sie uns doch nie den künstlerischen Eindruck der Werke der
großen Kunst übermitteln können.
ln dem un$ erhaltenen Material fehlt also der einen Kunst das, was
die andere besitzt, und die Geschichte einer jeden der beiden wird durch
den Vergleich mit der Schwesterkunst gewinnen. Die Plastik würde, wenn
wir sie in die fest gegebene Entwicklung der Vasenmalerei einreihen
könnten, uns nicht mehr eine oft nur nach logischen Gesichtspunkten
willkürlich konstruierte Reihenfolge bieten. Die Geschichte der Bild-
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