Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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Zur Entstehung der monumentalen Architektur in Griecheniand 181

diese Erwägung macht eine vorausgehende Periode hölzernen Tempel-
baues äußerst unwahrscheinlich.
Die Triglyphen lassen sich trotz anderer Versuche immer noch am
besten als Balkenköpfe und damit der ganze dorische Fries als ein in
der Holzarchitektur entstandenes Glied erklären *). Diese Deutung
scheint bekanntlich nicht mit der Stelle, an der am Tempel der Fries
und die Decke sitzen, in Einklang zu stehen. Ferner ergibt die In-
kongruenz des Frieses zu der Peristasis am Peripteraltempel den Kon-
flikt, um dessen Lösung sich der dorische Stil vergeblich bemüht hat.
Diese Bedenken lassen eigentlich nur zwei Erklärungen zu: Entweder
setzen sie eine sehr lange Entwicklung des Holztempels voraus, innerhalb
deren sich die konstruktiven und dekorativen Wandlungen vollziehen
konnten, oder die dekorativen Elemente des dorischen Gebälks sind in
einer anderen Bauform entwickelt und von dieser auf den Tempel über-
tragen. Die erste Möglichkeit ist durch die vorausgehenden Erwägungen
ausgeschlossen.
Gesetzt aber, es hätte trotz aller Unwahrscheinlichkeiten doch einen
monumentalen Holztempel in der geometrischen Epoche gegeben, zu
welchem Zweck sollte er gedient haben ? Der griechische Tempel ist nie
etwas anderes als das Haus des Kultbildes. Eine Elfenbein-, Ton- oder
Bronzestatuette der geometrischen Zeit könnte man in eine Kapelle
gestellt haben. Was aber sollte ein monumentaler Tempel ohne ein
monumentales Kultbild ? Diese Erwägung allein zeigt, daß die Frage
der Entstehung des monumentalen Tempels mit der des monumentalen
Kulthildes unlösbar zusammenhängt. Hat es jahrhundertelang keine
Großplastik gegeben, so kann auch kein Tempel bestanden haben ^).
Tatsächlich sind denn bisher auch keine Tempelreste gefunden

Ü Ebenso wie die Mutuii und Reguiae, von denen der Trigiyphenfries
bei der Erkiärung nicht isoliert werden darf. Sicheriich abzulehnen ist der
Zusammenhang mit dem mykenischen Haibrosettenfries (z. B. dem Alabaster-
fries von Tiryns, Schliemann, Tiryns Taf. IV), bei dem je zwei Halbrosetten
durch ein Rechteckfeld zusammengeschlossen werden. Die rhythmische Teilung
liegt hier zwischen den Halbrosetten; die Rechteckfelder bilden mit je zwei
Halbrosetten eine Einheit. Das lehren sowohl die unmittelbare Betrachtung
wie die in der Kleinkunst verwandten Einzelglieder dieses Ornaments, z. B.
Kuppelgrab von Menidi Taf. Hl 24.
") Vgl. Bethe a. a. O.
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