Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

Page: 52
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1924/0059
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
52

WILHELM DÖRPFELD

nistische Bühnenwesen’ herausgegeben. Der stattliche Band
enthält eine mit zahlreichen vorzüglichen Zeichnungen und vielen
Lichtbildern ausgestattete Baubeschreibung, entwickelt darauf die
Geschichte des Priene-Theaters in drei Hauptperioden und sucht
endlich das Bühnenproblem des hellenistischen Theaters auf
Grund der Ruinen, der bildlichen Überlieferung und der lite-
rarischen Zeugnisse zu lösen.

Wenn ich das Buch hier zum Gegenstand einer eingehenden
Besprechung mache und die Frage nach dem Vorhandensein
einer hohen Bühne im griechischen Theater nochmals ausführlich
behandle, so geschieht es nicht nur wegen der wertvollen Hilfe,
die mir das Buch im Kampfe um die Bedeutung des hellenisti-
schen Proskenions gewährt, sondern besonders aus dem Grunde,
weil es eine neue Lösung der griechischen Bühnenfrage vor-
trägt, die ich nicht für richtig halten kann. Der Verfasser glaubt
nämlich, am Theater von Priene mit voller Sicherheit nach-
weisen zu können, daß das säulengeschmückte Proskenion zwar
als Hintergrund für das Spiel in der Orchestra gebaut worden
sei und auch ein Jahrhundert lang als solcher gedient habe,
aber um die Mitte des II. vorchristlichen Jahrhunderts durch
einen Umbau in eine hohe Bühne für die Schauspieler ver-
wandelt worden sei. Diese ‘späthellenistische Bühne’, wie der
Verfasser sie nennt, soll nicht nur in Priene, sondern ungefähr
um dieselbe Zeit auch in allen griechischen Theatern als wichtige
Neuerung eingeführt sein. Er behauptet weiter, daß die antike
Literatur eine solche Bühne für die späthellenistische Zeit ver-
Jange. Meine Erklärungen der Angaben des Vitruv, des Pollux
und des Plutarch sollen unrichtig sein.

Nachdem ich die Darlegungen des Verfassers genau studiert
und seine Pläne und Baubeschreibungen mit meinen, bei öfteren
Besuchen Prienes gemachten Beobachtungen verglichen habe,
zögere ich nicht, das Buch in Bezug auf die Wiedergabe des
Tatbestandes für eine hervorragende Leistung und für eine
mustergültige Bereicherung unserer antiken Theaterliteratur zu
erklären. Kein anderes antikes Theater hat bis jetzt eine ebenso
genaue und sorgfältige Veröffentlichung erfahren. Auf Grund
der Pläne und Beschreibungen kann jeder Forscher, auch wenn
er das Priene-Theater nicht gesehen hat, den Darlegungen im
loading ...