Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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DAS THEATER VON PRIENE UND DIE GRIECHISCHE BÜHNE 53

einzelnen folgen und sich selbst ein Urteil über die Bau-
geschichte des Theaters bilden.

In Bezug auf die Frage der späthellenistischen Bühne kann
ich jedoch dem Buche dieses Lob nicht erteilen. Den Beweis
für das Vorhandensein einer solchen Bühne halte ich nicht für
erbracht, glaube vielmehr beweisen zu können, daß das grie-
chische Theater auch in der späthellenistischen Zeit keine Bühne
gehabt hat, weder in Priene, noch in irgendeiner anderen Stadt
Griechenlands oder Kleinasiens. Meines Erachtens ist die er-
höhte Bühne erst in römischer Zeit von Italien nach Griechen-
land gebracht worden.

Auch die Baugeschichte des Priene-Theaters, wie sie der
Verfasser entwickelt, kann ich nicht für richtig halten. Die
Zahl, die Zeit und auch den Umfang der Bauperioden glaube
ich anders auffassen zu müssen.

In den nachstehenden Abschnitten I — III werde ich zuerst
den baulichen Zustand des Priene-Theaters und besonders seines
Skenengebäudes besprechen und eine etwas veränderte Bau-
geschichte vorschlagen. Im II. Abschnitt stelle ich die Tatsachen
zusammen, aus denen der Verfasser auf einen Umbau des
Skenengebäudes und eine Verlegung des Spielplatzes aus der
Orchestra auf das Dach des Proskenions für die Mitte des
II. Jhs. v. Chr. schließt, und hoffe sein Ergebnis als unrichtig
nachweisen zu können. Im III. Abschnitt werde ich nochmals
die bildlichen Darstellungen der griechischen Skene und die wich-
tigsten Schriftsteller-Nachrichten über das griechische Theater
kurz besprechen, weil sie vom Verfasser als Zeugen für seine
späthellenistische Bühne angerufen werden, obwohl sie in Wirk-
lichkeit von einer solchen für Griechenland nichts überliefern.

Zum besseren Verständnis meiner Darlegungen werden zwei
Tafeln des v. Gerkanschen Buches auf unseren Abb. 1 und 2
wiederholt, nämlich erstens Tafel 32 mit dem Grundriß der
Orchestra und der beiden Geschosse der Skene und zweitens
Tafel 33 mit zwei Aufrissen und einem Durchschnitt der Skene.
Beide geben den Zustand des Priene-Theaters wieder, wie
v. Gerkan es für die späthellenistische Zeit ergänzt. Nach
meiner Ansicht zeigen beide den Zustand der ganzen hellenisti-
schen Zeit mit nur wenigen Veränderungen.
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