Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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DAS THEATER VON PRIENE UND DIE GRIECHISCHE BÜHNE 65

etwa der Zeit um 200 zugeschrieben. Ich glaube daher meine
zweite Bauperiode, der ich die Errichtung des steinernen Pro-
skenions zuteile, zwischen 250—200 ansetzen zu dürfen.

4. Das Obergeschoß derSkene, meine dritteBauperiode

(200 — 150).

Der Verfasser rechnet das obere Stockwerk der Skene, von
dem nur wenige Steine der westlichen und südlichen Wand an
ihrer alten Stelle erhalten sind, zum urspriinglichen Bau, den
er dem Anfang des III. Jhs. zuteilt, und entwirft uns sein Bild
auf den Taf. 31 und 36. Diesem Episkenion, wie wir das
Obergeschoß nennen diirfen, gibt er auf allen Seiten ähnliches
Mauerwerk wie im Erdgeschoß, nämlich auf der vorderen Seite
glattes Mauerwerk mit hochkantigen Platten und auf den iibrigen
drei Seiten gewöhnliche Quadern mit rauher Außenfläche, so-
genanntes Rustika-Mauerwerk. Im Obergeschoß nimmt er also
selbst an, was er, wie wir sahen, fiir das Erdgeschoß leugnet,
daß nämlich das glatte Mauerwerk die sichtbare Vorderwand
des Hauses gebildet habe. Hier muß festgestellt werden, daß
von der ergänzten Vorderwand des Oberstockes, die er mit
einer kleinen Tiir in der Mitte zeichnet, auch nicht ein Stein
vorhanden ist. Diese ‘friihhellenistische’ Wand, wie er sie im
Gegensatz zu der später zu besprechenden ‘späthellenistischen’
nennt, hat meines Erachtens niemals bestanden. Gesichert von
ihr ist nur die durchgehende Schwelle. Ihr ehemaliges Vor-
handensein hat v. G. aus der Gestalt der erhaltenen Unterschicht
und aus der Schwelle der kleinen Tiir an der Westseite, die
wir noch besprechen werden, mit Recht erschlossen. Fiir seine
Ergänzung der Wand kann der Verfasser aber weder irgend-
einen Baurest, noch eine antike Abbildung einer Oberwand,
noch auch irgendeine Schriftsteller-Nachricht als Zeugen an-
fiihren. Ich selbst habe freilich friiher, als noch kein Stein
von den Oberwänden griechischer Skenen gefunden war, eine
ähnliche glatte Wand mit nur einer Tiir in der Mitte gezeichnet
(Das griechische Theater, 1896, S. 384), habe aber nicht gezögert,
meine Ergänzung fallen zu lassen, als durch Reste in den Theatern
von Ephesos, Oropos und Priene und durch eine Inschrift von
Oropos das Vorhandensein großer Toröffnungen (d'VQc6iuaza) in

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXXIX 1924. 5
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