Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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DAS THEATER VON PRIENE UND DIE GRIECHISCHE BÜHNE 83

der Orchestra der gegebene und beste Platz hierfür. Dort stand
aber der große Altar des Gottes im Wege. Daher mußte die
neue Bank in solcher Höhe über der Orchestra angebracht
werden, daß die Ehrengäste über den Altar hinweg den Spiel-
platz der Orchestra gut sehen konnten.

So gibt der Tatbestand dem Verfasser nicht das Recht,
die Einrichtung der Loge als Beweis fiir seine Theorie der
späthellenistischen Biihne anzufiihren. Daß er bei diesem Be-
weise sogar vom ‘Verstummen jeden Zweifels 4 spricht, ist eine
unerlaubte Übertreibung.

3. Als letztes Argument fiir den behaupteten Umbau der Pro-
skenion-Decke zur Bühne und zugleich als Zeitbestimmung dieser
‘umwälzenden Veränderung’ des Spielplatzes fiihrt v. Gerkan
die Aufstellung von Standbildern auf dem Orchestraboden un-
mittelbar vor dem Proskenion an und gewinnt aus der Datierung
der Inschrift eines dieser Standbilder den genauen Zeitpunkt
der vermeintlichen Verlegung des Spielplatzes. Auch diese
Beweisführung ist leicht zu widerlegen:

Als Ausgangspunkt für seine Darlegungen (S. 79ff.) dient
dem Verfasser der angeblich feststehende Satz (a), daß die vor
dem Proskenion errichteten Standbilder erst nach dem Umbau
dieses Spielhintergrundes zur gewöhnlichen Bühne dort auf-
gestellt sein könnten. Er nimmt weiter als gesichert an (b),
daß zunächst nur die beiden äußersten, außerhalb des engeren
Kreises stehenden Basen für Statuen dort errichtet seien, weil
der innere Kreis anfangs noch für alte Dramen, die nach älterer
Sitte noch in der Orchestra aufgeführt worden seien (c), hätte
frei bleiben müssen. Da nun die beiden außerhalb stehenden
Basen durch ihre Inschriften um 150 und 140 v. Chr. datiert
seien, so dürfe die Verlegung des Spielplatzes ziemlich sicher
kurz vor die ältere Inschrift, also ‘in das Jahrzehnt um 160’
(S. 81) gesetzt werden. Ein früheres Datum komme nicht in
Betracht, weil der Umbau sonst zu nahe an die Errichtung der
Orchestra-Proedrie rücken würde. Denn nicht nur die fünf
Throne, sondern auch die später zwischen ihnen angeordneten
Bänke müßten unbedingt noch der Zeit des Orchestraspieles
angehören (d).

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