Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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WILHELM DÖRPFELD

zu nennen, auf die ich selbst mit andern Forschern schon oft
hingewiesen habe. Er hält eine solche Einwirkung für das IV.
oder III. Jh., wo Fiechter und Frickenhaus sie annehmen, nicht
für möglich. Sie könne erst später erfolgt sein. Er glaubt
es als eine ‘natürliche Entwicklung’ bezeichnen zu diirfen, wenn
die Vorteile des italischen Biihnenspiels etwa um 160 v. Chr.
zur allgemeinen Abschaffung des Orchestraspiels in Griechen-
land gefiihrt hätten.

Ich halte diesen oder einen ähnlichen Zeitpunkt fiir ganz
ungeeignet, um in ihm eine starke Einwirkung Italiens auf die
ganze östliche griechische Welt als möglich oder gar als ‘natiirlich’
annehmen zu können. In den damaligen Verhältnissen lag fiir
die Griechen keinerlei Veranlassung vor, ihr in langen Jahr-
hunderten bewährtes Orchestraspiel zugunsten des italischen
Biihnenspiels aufzugeben und, wie v. Gerkan glaubt, in einem
kurzen Zeitraum alle ihre Theater umzubauen. Die Epoche
des großen römischen Einflusses auf den Osten beginnt erst
unter den römischen Kaisern, aber nicht iiberall in derselben
Zeit und in derselben Stärke. Dazu stimmt es sehr gut, daß
die Umbauten griechischer Theater und auch die Neubauten
römischer Biihnentheater in Griechenland erst in sehr ver-
schiedenen Zeiten der römischen Herrschaft erfolgt sind.

Daß es sich bei der Einführung des römischen Theaterspiels
in Griechenland um zwei verschiedene Theaterarten handelte,
nämlich um die beiden von Vitruv als römisches und griechisches
Theater unterschiedenen Arten, soll im nächsten Abschnitt bei
der Besprechung des Vitruv-Textes nochmals gezeigt werden.

III. Die baulichen, bildlichen und literarischen Zeugnisse
für die vermeintliche späthellenistische Bühne.

Neben dem Theater von Priene bespricht v. Gerkan in
einem besonderen Abschnitt auch mehrere andere Theater
Griechenlands und Kleinasiens, die in späthellenistischer Zeit
eine Bühne erhalten haben sollen, und zieht ferner auch die
bildlichen und literarischen Zeugnisse heran, um seine Auffassung
von der allgemeinen Einführung der Bühne im II. Jh. v. Chr.
zu stiitzen. Seine Darlegungen hieriiber kann ich hier nicht
eingehend besprechen, will aber wenigstens diejenigen baulichen,
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