Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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DAS THEATER VON PRIENE UND DIE GRIECHISCHE BÜHNE 91

setzt er die Inschrift der Skene, die er der Zeit um 150 oder
den folgenden Dezennien zuteilt. Für meine Auffassung der
Theatergeschichte von Oropos passen diese Daten ausgezeichnet,
für die Theorie v. Gerkans sind sie dagegen insofern vernichtend,
als die Throne, deren Errichtung zur Zeit des Orchestraspiels
er in Priene mit Recht wiederholt fordert, in Oropos einer
Zeit angehören, in der die vermeintliche hohe Biihne nach seiner
Ansicht schon ein halbes Jahrhundert bestanden haben soll!
Daß iiberdies seine Deutung der Skene-Inschrift ganz unhaltbar
ist, wurde oben schon betont: xivaxeq bezeichnen unmöglich
dasselbe wie d-vQcSf/ava, und ebenso xQoöxr/vLov nicht dasselbe
wie 6x?]vS]. In Oropos wurde das marmorne Proskenion mit
seinen hölzernen Pinakes also bald nach 200 v. Chr. als Hinter-
grund fiir das Spiel in der Orchestra gebaut; von einem älteren,
steinernen oder hölzernen Proskenion habe ich jetzt Spuren
gefunden. Etwa 50 Jahre später wurde ein steinernes Ober-
geschoß aus glatten Pfeilern und großen hölzernen Toren erbaut;
es diente aber nicht als Hintergrund fiir das Spiel auf einer
Biihne, wie v. Gerkan behauptet, sondern als Ersatz fiir ein
ähnlich gestaltetes hölzernes Episkenion, aus dem die Götter
hervorzukommen pflegten. Noch etwa 50 Jahre später stellte
man in der Orchestra die fiinf Marmorthrone auf, ein deutlicher
Beweis dafiir, daß die Dramen auch damals noch in der Orchestra
aufgefiihrt wurden.

Alsdritten Bau erwähne ich noch dasTheater in Pergamon,
weil ich auch hier einigen Angaben v. Gerkans widersprechen
muß. Erstens wird S. 101 einfach ‘vorausgesetzt’, daß der
hölzerne Bau, dessen Gestalt wir aus den sorgfältig hergestellten
Steinlöchern kennen, schon eine hohe Biihne gehabt habe, ob-
wohl zugegeben wird, daß er aus der Regierungszeit Eumenes’ II,
also aus der ersten Hälfte des II. Jhs. stammt. Er darf aber
nicht erst dem Ende der von 197—159 dauernden Regierungs-
zeit zugeteilt werden, sondern muß, weil er zur ersten Anlage
der Theaterterrasse gehört, lange vor dem Zeitabschnitt errichtet
sein, den v. Gerkan fiir die Einfiihrung seiner späthellenistischen
Biihne annimmt..

Die hölzerne Skene von Pergamon hatte also noch keine
hohe Biihne, sondern ein hölzernes Proskenion als Hintergrund
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