Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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DAS THEATER VON PRIENE UND DIE GRIECHISCHE BÜHNE 95

hellenistische Bühne und glaubt sie auch überall zu finden.
Daß sie aber in griechischer Zeit nie bestanden haben kann,
und daß das Proskenion auch in späthellenistischer Zeit der
Hintergrund des Spiels in der Orchestra geblieben ist, glaube
ich im II. Abschnitt bewiesen zu haben. Des Verfassers Erklärung
der Schriftsteller, namentlich des Vitruv, des Pollux und des
Plutarch können daher unmöglich richtig sein. Ich kann seine
Ausführungen (S. 116—123) nicht im einzelnen widerlegen,
sondern verweise im allgemeinen auf meine früheren Dar-
legungen über diese drei Schriftsteller (AM. 1897, 439; 1898,
326; 1903, 413) und beschränke mich auf einige Zusätze.

a) Die beiden von Vitruv (V6,1) unterschiedenen Theater-
arten, das theatrum latinum und das theatrumGraecorum,
sind nicht, wie v. Gerkan mit Fiechter behauptet und auch ich
selbst früher (Dörpfeld-Reisch, 1896, 158) glaubte, das römische
und das hellenistische Theater, sondern die beiden, zur Zeit
Vitruvs in Rom bestehenden Theaterarten, nämlich das bekannte
einheimische römische Theater und das anders gestaltete aus
Griechenland importierte Theater des Pompeius, das nach dem
Typus des Theaters von Mytilene gebaut war (Plutarch, Pom-
peius 42) und daher im Gegensatz zum gewöhnlichen römischen
Theater als theatrum Graecorum bezeichnet werden durfte.
Es handelt sich um dieselben beiden Theater, die in den Nach-
richten über die Säkularspiele des Kaisers Augustus (AM. XXII
1897, 447), also grade zur Zeit Vitruvs, in Rom genannt werden:
Im einheimischen Theater am Tiber wurden die ludi latini, im
Theater des Pompeius dagegen die ludi thymelici aufgeführt.
Das paßt aufs beste zu der Angabe Vitruvs, daß in seinem
theatrum Graecorum die Thymeliker in der Orchestra ihre
Aufführungen zu machen pflegten, während die kleinere Orchestra
des theatrum latinum nur zur Aufstellung von Sitzen für
Senatoren benutzt wurde.

Über die Gestalt des Pompeius-Theaters und auch über
die seines Vorbildes, des Theaters von Mytilene, besteht zu
meiner Freude keine Meinungsverschiedenheit zwischen v. Gerkan
und mir. Das Theater von Mytilene denken wir uns beide als
späthellenistischen Bau von derselben Gestalt wie das damalige
Theater von Priene, nämlich mit einem aus Säulen und Pinakes
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