Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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DAS THEATER VON PRIENE UND DIE GRIECHISCHE BÜHNE 99

und vor dem das Proskenion liegt. Ferner heißt bei Pollux
ijil vrjg oxr/vrjg (IV 123) nicht ‘auf der Bühne’, sondern ‘vor
der Skene’ oder ‘vor dem Zelt’, im Gegensatz zu vjio axtjvrjv
(IV 128), das mit ‘im Innern der Skene’ oder ‘unter dem Zelt’
übersetzt werden muß; nach demselben griechischen Sprach-
gebrauch wird der Ausdruck xarä rrjv axrjvrjv (IV 124) von
den Tiiren gebraucht, die ‘in die Skene’ hineinführen und der
Ausdruck vjcIq vrjv oxrjvrjv (IV 128) von dem Krahn, der ‘oben
iiber der Skene’, ‘auf dem Dach des Hauses’ angebracht war.

Ebenso halte ich es fiir irrtiimlich, wenn v. Gerkan bei
Pollux unter dem Wort vjtoaxr/viov die Vorderwand der römischen
Biihne versteht. Denn diese Wand hatte im allgemeinen keine
Säulen, und vor ihr standen keine Bildwerke, während das
vutoöxrjvLov des Pollux (124) mit beiden geschmiickt war. Ich
kann nicht glauben, daß Pollux im Obergeschoß seines Theaters,
wo nach v. Gerkan Säulen und Statuen gewesen sind, diese nicht
erwähnen soll, während er im Untergeschoß, wo keine Säulen
und Standbilder waren, solche anfiihrt. Wie Pollux IV 128
die im Innern der Skene vor sich gehenden Geschehnisse als
vä vjto axrjvrjv bezeichnet, so ist sein vjtoaxr/viov das unterste
und wichtigste Geschoß der Skene (Dörpfeld-Reisch 1896, 300f.),
das im hellenistischen Theater und vielleicht auch noch im
neronischen Theater von Athen als Hintergrund des Spiels in
der Orchestra mit Säulen und Statuen geschmückt war. Den.
Namen Hyposkenion durfte im griechischen Theater das Unter-
geschoß fiihren im Gegensatze zum Oberstock, dem Episkenion,
und seine Decke konnte, wie Pollux richtig sagt und ich nie
geleugnet habe, Logeion heißen, weil dort die Redner in der
Volksversammlung aufzutreten pflegten.

An meinen friiheren Darlegungen iiber Pollux (besonders
AM. 1903, 417—21) habe ich also nichts Wesentliches zu ändern.

c) Auch in Bezug auf die Angaben des dritten Schriftstellers,
des Plutarch, iiber das griechische Theater (namentlich Demetr.
34 und Arat. 23) bieten mir die Darlegungen v. Gerkans keinen.
Grund, meine frühere Auffassung zu ändern. Ich kann nicht
verstehen, in welcher Weise v. Gerkan sich das Auftreten des
Demetrios im Theater von Athen denkt. Er läßt ihn zuerst
nach oben gehen und dann vor den Augen der Athener ‘durch

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