Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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WALTHER WREDE

während die Mauerbrüstung noch die offene Zinnenform bei-
behält. An deren Stelle tritt nun überall die geschlossene, hohe
Schutzmauer mit fensterartigen Scharten. Fiir Athen sind solche
Umbauten aufs Jahr 306 datiert 1, während bis dahin die Zinnen-
mauer gestanden hatte. Die geschlossene Briistung haben wir
dann z. B. in Herakleia am Latmos, Knidos, Iasos, im akarna-
nischen Chalkis, in Samos 2, jedenfalls auch in Aigosthena.

Anderseits sind fiir die zweite Hälfte des V. Jhs. noch sicher
freistehende Zinnen bezeugt fiir die Belagerungsmauer um Platää,
wo zwischen je zwei Tiirmen immer zehn ijtdlgsig, also Einzel-
zinnen, standen 3. Sie waren mit Tonziegeln gedeckt 4, die also
den abgeschrägten Decksteinen der Steinbauten entsprechen.

2. D i e T o r e.

a) Das Haupttor.

(Taf. VI; VI3, 4, 5; Abb. 6; 11.)

Der natiirliche Zugang zum Kastell liegt auf der Nordost-
seite. Hier ist zugleich die Hauptangriffsfront. Denn vom Fuß
der Mauer fällt der steinige Boden nur wenig ab zu dem
flachen Sattel, der den Burgfelsen mit der bewaldeten Kuppe
687 verbindet, iiber die man in wenigen Minuten zum Paßweg
und weiterhin zur Quelle Phyli gelangt. Auf dieser Seite, in
der Mauerflucht zwischen dem Rundturm II und dem Ostturm III
liegt denn auch das große Tor (LM). Der Zugangspfad diirfte
am Rundturm, der ihn von rechts bedrohte, vorbei und dann
an der Mauer entlang zum Tor gefiihrt haben, so, wie man

1 Mauerbauinschrift IG II 167 = IG II 2 463. Frickenhaus, a. a. O.
29ff. Caskey, AJA. XIV 1910, 298ff., wo die ältere Literatur.

2 Krischen, a. a. O. 51. Noack, Arch. Anz. 1916, 238 Abb. 17.

3 Thuk. III, 21: äiä dexa äe enä^eojv nvqyoi i]oav [leyäXoi. "E'naltis ist
also in dieser Zeit deutlich die Zinne, nicht die ganze Brüstung. Diese
heißt TreQidQOfios, wie Caskey, a. a. O. 302, Anm. 1 erschlossen hat und
wie es auch aus Xen. Inst. Cyr. VI, 1, 53 klar hervorgeht: Kyros Iäßt auf
seinen Wandeltürmen v.a\ ne^iäqb/Lovs v.a\ Inäl’geis anbringen. Hier kann
negidQOfios nicht ‘Wehrgang’ bedeuten, wie friihere Erklärer der erwähnten
Inschrift übersetzten (vgl. Frickenhaus, a. a. O. 36 Anm. 1). Der Wehr-
gang ist immer nägodos (Thuk. 111,21; Philon p. 80 (Diels-Schramm I,
15 u. I 17).

4 Thuk. III, 22,3: veQa/aiSes. Vgl. Frickenhaus, a. a. O. 43.
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