Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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WALTHER WREDE

4,20 m hinabgegraben werden konnte, war mit rein antikem (nicht
spätem) Scherbenschutt ausgefüllt. Hier kamen die Fragmente
des Abb. 15 abgebildeten Glockenkraters (s. u. S. 212f.) zutage.

Der Stein # überbrückt ein 0,52 m breites, eine Schicht
hohes Mauerloch. Sein Eingang ist durch Kantenschlag aus-
gezeichnet, die inneren Wandungsflächen sind einigermaßen glatt
gepickt. Es wird durch die an der Außenfront vorbeilaufende
äußere Verschalungsschicht abgeschlossen (Taf. IV 7). Da es
seinen Zweck als Aufbewahrungsort für Verteidigungsmaterial
oder dergleichen nur erfüllen konnte, wenn es in erreichbarer
Höhe lag, darf man das einstige Niveau des Lagerbodens an
dieser Stelle etwa zwei Schichten tiefer ansetzen, wozu der
Scherbenbefund und die Verschiedenheit des Schuttes (viel graue
Asche) von den oberen Schichten stimmt. Das wäre etwa die
gleiche Höhe wie vor der Terrassenmauer in c. In den Schichten
unterhalb des Mauerloches waren die Scherben so gehäuft wie
an keiner andern Grabungsstelle; besonders viele gefirnißte und
rotfigurige Gefäß- und Lampenfragmente des IV. Jhs., dazu Helle-
nistisches kamen zutage, dicht unterhalb des Loches aber noch
durchsetzt mit spätantiken Scherben. Solche lagen auch noch
unter einem Tonkanal viereckigen Querschnitts, der an der
Mauer entlang von Osten kommend in leichter Biegung in das
Mauerloch abgeleitet gewesen zu sein scheint. Gerade vor dem
Loch war er durch gestürzte Steine zertrümmert. Es steckte hier
aber eine große Pithosscherbe senkrecht so im Boden, daß sie den
Kanal südwestlich abgeschlossen und dem Wasser den Weg ins
Mauerloch gewiesen haben dürfte. Weiter südwestlich waren keine
Kanalfragmente mehr zu finden; nordöstlich war er besser erhalten.
Er bestand aus langen viereckigen Rinnen (Abb. 6, S. 174, ob.
rechts); die Wandungen sind 4 cm dick, die lichte Weite beträgt
0,32 m, lichte Höhe 0,23 m. Darauf lag ein Deckelstück von
weiteren 0,11 m lichter Höhe; ziegelroter Ton mit Einsprengungen.
Um dem Wasser Abfluß zu gewähren, müssen die äußeren Ver-
schalungssteine der Kastellmauer zur Zeit der Anlage des Kanals
in der späten Besiedlungszeit schon etwas auseinandergerückt
gewesen sein, wie sie es heute sind. Damit in die Tiefe gegraben
werden konnte, mußte das Endstück des Kanals auf etwa 1,20 m
Länge abgebrochen werden.
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